Montag, 20. Juli 2015

Brad Warners Mumbo-Jumbo
(110 kg)

Gerade bin ich nochmal über Yudo Seggelkes Blog gestolpert. Dort behauptet er in der Einleitung, "er sei Schüler von Nishijima Roshi in der Linie Kodo Sawaki(s)". Nishijima ordinierte jedoch bei Rempo Niwa Zenji und wurde von diesem zum Nachfolger ernannt. Yudo ist nicht der einzige aus Nishijimas Nachfolgerschaft, der m.E. in Zen-Details etwas neben der Spur wirkt (das liegt bei ihm wohl auch daran, dass er zunächst bei Dae Poep Sa Nim war). In jüngerer Zeit zeigen sich vor allem Brad Warners Grenzen auf. In einem seiner letzten Blogbeiträge hat er sich ein paar Seitenhiebe auf Kritiker wie Sam Harris erlaubt, die - wie ich - der Meinung sind, man sollte das ganze Brimborium (englisch: hoo-ha, mumbo-jumbo) beseitigen und sich dem Kern, der Essenz des Zen widmen. Brad hingegen - wie könnte es anders sein bei jemandem, der Dôgen missversteht -, benutzt den Vergleich von Rad und Felgen, wobei die "Essenz" im Zentrum des Rades sei, dieses sich aber ohne sein "Äußeres" (die Felgen) nicht bewegen könne. Hierzu fiel mir sofort ein Schwimmreifen ein, der vom Wind getrieben über den Strand rollt: Das Äußere ist hier nur dazu da, das Innere (Leere) sichtbar zu machen. Bei Brad allerdings wird es mit Gedanken aufgeladen. So würde man sich in einem Hasenkostüm albern fühlen und verhalten und in einer Robe eben ganz anders.

Genau das ist der springende Punkt. Nur über den geistigen Irrtum funktioniert der "Robeneffekt". Das Rad bewegt sich auch ohne Felgen, aber fürs Blenden unserer Sinne werden sogar Felgen aufgemotzt. Tatsächlich ist die "Form", die im Zen übertragen wurde, aber nicht Robe und Zazen (die Brad mit seiner Metapher rechtfertigen will), sondern nenge mishô, wie es Takuan nannte: Eine Blume hochhalten und lächeln. Takuan meinte zu äußeren Formen des Buddhismus: "Sogar das Rezitieren ist nicht frei von Ursache und Wirkung (inga) und damit ein künstliches Handeln (usa)." [siehe Takuan Soho: Das Tor zur heiteren Gelassenheit] Takuan war auch der Meinung, dass man "Erleuchtung" durchaus wollen soll: "Will jemand wirklich den Buddha-Geist erlangen, dann muss er mittels kufu - dem Willen zur Erleuchtung - sein kufu nähren." Ich empfehle diese Methode, sich willentlich an Grenzen zu treiben und zu erschöpfen, um dann zu erfahren, was "nicht gemacht" werden kann. Wenn man Dôgen nicht einseitig versteht, findet man bei ihm allerdings das gleiche Fazit. Auszug aus seiner Vers-Sammlung Sanshôdôei:

峪に響
峰に鳴猿
妙妙に
只此経を
説くとこそ聞け

Lausche dem mystischen Schrei der Affen,
der von Berggipfeln erklingt
und in Tälern widerhallt,
als würde ein Sutra gelehrt.

Brad Warner fährt fort, aus einer anderen Schrift zu zitieren: "Bevor die Buddhas erleuchtet wurden, waren sie wie wir." Dies ist eine Sicht aus dem Theravada. Die Zensicht lautet jedoch: "Nachdem die Buddhas erleuchtet wurden, waren sie wie wir." Takuan sagt hierzu: "Dann erlangst du Weisheit, die man ohne Lehrer gewinnt, und du verwirklichst die wunderbare Funktion von musa, den dir eingeborenen Handlungen. Die Weisheit, die man ohne Anleitung eines Lehrers gewinnt, ist die ursprüngliche Weisheit, die nicht einmal ein Lehrer seinem Schüler vermitteln kann." Ein Widerspruch zu Dôgen? Keineswegs. Sein Gedicht "Jinjippôkai shinjitsunintai" (Der wahre Mensch, der in den zehn Gegenden der Welt offenbar wird) lautet:


世の中
真の人や
なかるらん
限りも見えぬ
大空の色

Der wahre Mensch
ist niemand Besonderes,
wie die tiefblaue Farbe
des grenzenlosen Himmels
überall auf der Welt.

 

Donnerstag, 2. Juli 2015

Wenn das Verhältnis von Genuss zu Unwohlsein kippt
(111 kg)

So, jetzt reicht's. 111 Kilo. Bei 108 hab ich noch von einer magischen Zahl gelabert. Leider sammelt sich bei mir das Fett am Bauch über der Gürtellinie (das ist ja das Ungesunde, wie man sagt), und ich habe immer behauptet, wenn ich Gefahr liefe, meinen Ständer nicht mehr zu sehen, dann ... Die (falschen, aber qualitativ guten) Hawaiihemden in XXL aus Thailand passen auch nicht mehr recht.
   Ich nehme an - da ich mich kaum anders ernähre als in den letzten Jahren - es ist neben einer altersbedingten Umstellung des Metabolismus auch die häufige Nebenwirkung wenigstens einer meiner Medikamente mit verantwortlich. Aber natürlich vor allem zu viel Zucker und Bewegungsmangel. Ich mache mir nun nicht nur meine Gedanken, sondern versuche mal, sie konsequenter umzusetzen. Der Kollege - wenn ich so sagen darf - Adam Ko Shin Tebbe hat kürzlich von seiner erfolgreichen Gewichtsreduktion durch Ernährungsumstellung mit Sportprogramm auf seiner buddhistischen Plattform Sweeping Zen berichtet. Bei Markus Lanz wurde ein Neurologe zitiert, was einen Menschen glücklich mache: "Wasser, Sport und Nächstenliebe." Zwei davon machen auch schlank. Und im Grunde weiß doch jeder, dass da was dran ist. 
   Nun geht es also los. Viel Wasser. Ich fürchte die Müdigkeit und muss es mit bitteren heißen Tees angehen statt mit meinen Lieblings-Oishi. Ein Liter kalter Tee und zwei Wachmachdrinks ("M-150", leider nur süß zu haben und Red Bull ähnlich) waren mein Alltag. Ich werde mich langsam zu entwöhnen suchen. Das letzte Mal, als das funktionierte, ist zehn Jahre her - und da hatte ich Liebeskummer. Diesmal fehlt mir ein "seelisches Motiv" (das auch Adam hatte). Mal seh'n, ob es trotzdem hinhaut. Ich könnte mir ein gutes Motiv vorstellen: Vor lauter Gesundheit meiner Auslands-Krankenversicherung zu kündigen und lieber das gesparte Geld beiseite zu legen für den Notfall. Doch dazu später mehr. Was für ein Segen es ist, mit einer Karte wie in Deutschland abzurechnen, weiß ich erst jetzt, wo ich jede potentielle Vorerkrankung mit diversen Schreiben abklären lassen und immer in Vorkasse treten muss. Meine Versicherung zahlt zum Beispiel pauschal 50 Euro pro Jahr zu einer Sehhilfe dazu. Nun wurde ich doch tatsächlich gefragt, warum ich vor meinem Optikerbesuch denn beim Augenarzt war und seit wann denn meine Beschwerden bestanden hätten ...
   Demnächst hier also hoffentlich niedrigere Zahlen als 111. 
   Ich bin doch kein Code.



[m-flo loves MINMI: Lotta Love (m&M mix) - wer das Video in besserer Qualität findet, möge es mir sagen]

Freitag, 19. Juni 2015

Jakucho Setouichi: Autorin und buddhistische Nonne

Jakucho (Harumi) Setouchi (瀬戸内 寂聴, geb. 1922) ist eine in Japan mehrfach ausgezeichnete Autorin, die mit 51 Jahren - und nach einigen Affären - beschloss, zur Nonne im Tendai-Buddhismus zu ordinieren, und zwar im Wesentlichen, um ihr Schreiben zu vertiefen! Über ihre psychische Krise in den 60er-Jahren und ihre Begegnung mit dem renommierten Analytiker Heisaku Kosawa gibt der folgende Artikel (auf Englisch) Auskunft. Die Autorin beschreibt, wie kleine Komplimente des Analytikers zum Abschied ihrer Sitzungen - etwa über Details ihrer Kleidung - sie regelmäßig aufbauten. Mich erinnert diese Passage übrigens an das, was Pep Guardiola gerade bei Bayern München leistet, indem er - wenn auch weniger subtil - Spieler wie Götze und Dante (der vor zwei Jahren Messi im Duell gegen Barcelona völlig kaltstellte) zur Überraschung von deren Kritikern immer wieder stark redet.
   Setouichi kritisiert zwar den Shin-Buddhismus, legt aber in ihren Formulierungen Wert auf die "andere Kraft" (nanika), also darauf, dass wir nicht alles selbst erschaffen. Sie spricht davon, dass wir eher "gelebt werden" (ikasareru) als leben (ikiru).
   Nachdem Setouichis frühes Werk dem Pornographie-Verdacht ausgesetzt war, erzählte die über 90-Jährige kürzlich auf dem japanischen TV-Sender NHK, dass sie seit ihrer Ordination gar keinen Sex mehr gehabt hätte. Stattdessen wurde sie als Aktivistin gegen die Todesstrafe, die Atomenergie und den Irakkrieg bekannt, wofür so auch schon mal in Kriegsgebiete reiste oder in den Hungerstreik trat. In hohem Alter verfasste sie eine moderne Fassung der berühmten Erzählungen vom Prinzen Genji, wobei sie feststellte, dass 70 % seiner Geliebten später zu Nonnen wurden. Ihre Fassung verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Ins Deutsche ist die Autorin dennoch meines Wissens bis heute nicht übersetzt. 
   Auf freier Bühne vor Fukushima-Opfern sagte sie einmal: "Das Wichtige ist das Unsichtbare."



Samstag, 6. Juni 2015

Ajahn Brahm (II): Die ungültige Nonnenordination

In dieser Doku über Ajahn Brahm und seine Tätigkeiten wird kurz vor Minute 26 ein seltsames Paar in langärmeliger Thermo-Unterwäsche gezeigt, wie es sich seiner irgendwie schwul aufgeladenen Novizenordination unterzieht. Ab Minute 14 wird über die Ersteigerung des Grundstückes für das Nonnenkloster Dhammasara gesprochen. Bereits 1983 hatte Brahm mit Ajahn Jagaro (John Cianciosi, der 1995 entrobte und kurz darauf eine reiche Thai heiratete!) Land für das davon nicht allzu weit entfernte Männerkloster Bodhinyana organisiert. Dieses Land wollte die Thai-Sangha aus dem Kloster Wat Nong Pah Phong (WPP) seines verstorbenen Lehrers Ajahn Chah ihm nach seinem Ausschluss wegnehmen, da es wesentlich durch Spenden von in Australien lebenden Thais finanziert worden war. Ajahn Brahm wurde sein Status als Ordinierer entzogen und er sowie sein Tempel von der Ajahn Chah-Gemeinschaft getrennt, weil nach deren Meinung (und der des höchsten Mönchsgremiums in Thailand) eine Nonnen(bhikkhuni)-Ordination gegen den Vinaya, den Verhaltenskodex im Buddhismus, verstieße, weil Brahm alias Peter Betts seinen Orden dabei bewusst hintergangen habe und es an der nötigen Einsicht fehlen ließ und auch, weil er Mismanagement betrieben habe. Luang Po Sophorn aus dem WPP sagte deutlich, dass Ajahn Brahm nicht länger als Theravada-Mönch, sondern als Mahayana-Mönch anzusehen sei. Ein Beleg dafür ist, dass Brahm die umständliche Erklärung bemüht, der Dharmaguptaka-Vinaya, nach dem Nonnen im Mahayana, etwa in Taiwan, ordinierten, wäre bis auf die Zeit des Theravada oder davor zurückzuführen (obwohl auch in dieser Schule kein ununterbrochener Nonnenorden existierte) und dehalb die Ordination der Theravadin-Frauen durch Mahayana-Nonnen als rechtens ansah. Jedenfalls kommt dies m. E. einem Ausschluss aus der Theravada-Sangha gleich, der aufgrund des Vergehens (eine Sanghadisesa wegen Zwietrachtsähens in der Gemeinschaft, siehe Punkt 10 hier) unter bestimmten Umständen möglich ist. Es stellt ferner einen Gesetzesverstoß in Thailand dar, wo der König als der höchste aller Buddhisten gilt und ebenfalls einst ordinierte.
   Ajahn Brahms Büro antwortet nicht auf die Frage, welcher Sangha er denn nun eigentlich angehöre. Es bestreitet aber seine Sanghadisesa. Dabei ist der Ausschluss aus einer Sangha natürlich vom Vinaya her zu begründen und nicht beliebig möglich. Dies ist ein erster Hinweis auf die rhetorischen Spielchen der Brahm-Clique.
   Zu erwarten wäre gewesen, dass Ajahn Brahm - auch wenn er die Nonnenordination für richtig hält - seine Verbundenheit mit dem Vinaya zeigt, indem er, wie bei einer Sanghadisesa vorgesehen, Buße tut, also etwa für eine Zeit den untersten Rang in seiner (australischen) Gemeinschaft einnimmt, am ehesten aber entrobt und ggf. neu ordiniert. Wie schon gesagt, ist das bei einem Gesinnungsgenossen von Thich Thien Son (der sich nun Thay nennt), in dessen Missbrauchspagode Phat Hue er trotz Warnung weiter recht kostspielig eine Verantstaltung abhielt, nicht zu erwarten. Man erkennt schnell, wenn man sich mit Ajahn Brahm beschäftigt, dass dahinter ein Unternehmer steckt und er sich da ein kleines buddhistisches Imperium zusammenbaute. Er hat kein Problem damit, Schecks über 250.000 Dollar anzunehmen. Seine Missachtung des Vinaya, etwa des Verbotes, sich am Handel (siehe dort den Abschnitt "Buying and Selling") zu beteiligen, ist allgemein bekannt, kürzlich versteigerte er sich sogar selbst. Sein Fall ist dem von Thich Nhat Hanh sehr ähnlich, der ebenfalls den Vinaya für seine Gemeinschaft umschrieb, die Nähe von Frauen erwünschte, die Robe dabei nicht ablegte und neben riesigen Grundstücken und Immobilien auch ein weltweites Buchgeschäft aufbaute. 
   Was daran stört ist nicht die Kreativität oder der Unternehmergeist von Buddhisten, sondern die Heuchelei, dies in einer Robe zu tun und dabei vorzugeben, einem uralten, strengen Verhaltenskodex zu folgen. Im Falle Ajahn Brahms ist das auch ein Schlag ins Gesicht der thailändischen Waldtradition. Buddhasa Bhikkhus Texte zum Beispiel werden kostenlos vertrieben, Peter Betts alias Ajahn Brahm kann mit seinen Geld verdienen. Der Sinn, das habe ich oft genug betont, liegt darin, in Robe die Leute leichter hinters Licht und zu Spenden führen zu können. Man fällt eben gern auf die Robe rein, ohne diesen Umhang wäre die Wirtschaftsleistung dieser umtriebigen Heuchler wesentlich geringer. Dazu werden dann noch Texte über die überragende Bedeutung der Ordinierten-Sangha verzapft, in denen sich Ajahn Brahm erdreistet, einen Ordinierten als "verlässlicher" zu bezeichnen und von Laien zu behaupten, diese würden nicht tun, was sie predigen. Besonders setzt er hier sexuelle Lust in Verbindung zum Anhäufen von Reichtümern, weil er - wie ich oben andeutete, in meinem Fall vergeblich - darüber hinwegtäuschen will, dass auch das Ordiniertenleben mit seinen Zeremonien erotischen Spielregeln folgt und sich dort Haus und Hof anhäufen. Ich hatte z. B. noch nie einen Wohnwagen zur Verfügung, aber eine seiner Nonnen schon. Dieser überaus anmaßende Text, den man unbedingt neben seinen gerade populären Allerweltsgeschichten lesen sollte, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat, ist schon eine gehörige Frechheit. Niemals würden Ordinierte den Laien was spenden, sondern immer nur umgekehrt. Wie gut, dass ich Laie bin und mich weiter im Geben üben kann. Und: "Es gibt keine größere Frucht als einer Klostergemeinschaft zu spenden." Ich höre hier nur einen Gauner reden, der anderen das Geld aus der Tasche ziehen will. Und ich weiß jetzt schon, dass das kein gutes Ende nehmen wird mit ihm und Perth.
   Brahms Sekretär und Sprachrohr Ajahn Sujato tut in seinem Blog gar so, als hätte man den Frauen in Thailand einen Gefallen getan. Diese historische Chance hat Brahm jedoch verpasst. Tatsächlich wünschen sich in Thailand viele Menschen eine Königin, da die Töchter des amtierenden Königs sich großer Beliebtheit erfreuen. Bis dahin könnte ein Weg über die legalisierte Nonnenordination führen, da auch eine Königin wohl irgendwann einmal ordiniert haben müsste. Das Schicksal der thailändischen Buddhisten geht Sujato und Brahm tatsächlich weitgehend am Arsch vorbei.
   Auch den Vinaya benutzt Brahm nach Belieben. Da der Dharma in Australien verbreiter sein dürfte als in Indien zu Buddhas Lebzeiten, wäre bei einer korrekten Nonnenordination die Anwesenheit von 10 vollordinierten Nonnen nötig gewesen, Brahm begnügte sich mit 8. Ajahn Brahms Nonnenordination ist demnach auch gemäß dem Vinaya ungültig.

Ab etwa Minute 12:30 auf der oben verlinkten Vimeo-Doku erzählt Ajahn Brahm eine Geschichte über unser umständliches Schälen einer Banane - von oben nach unten. Für einen Moment dachte ich, ich hätte etwas Gemeinsames zwischen uns entdeckt, zumal dazu noch ein Affe aus meiner Lieblingsfamilie der Makaken eingeblendet wird. Doch dann erzählt Brahm, die Affen würden Bananen von unten schälen. Tatsache ist: Makaken schälen die Bananen gar nicht, sie halten sie quer, drücken mitten auf die Schale, wodurch sie einreißt und man sie dann aufziehen und, ohne die ganze Schale aufzupulen, rausessen kann, mit einem einzigen Riss, einer einzigen Öffnung. Diese Geschichte steht symbolisch für Ajahn Brahms Irrtümer. "We are teaching by example", meint eine Nonne doch glatt, und das Beispiel, das sie abgeben - auf luxuriösem Grund unbehelligt von den sozialen Problemen etwa der Menschen zu wandeln, die in einem Ghetto leben, und dabei schlau klingende Sprüche zu kloppen -, beweist mir einmal mehr die Dämlichkeit von Spendern.
   Fazit: Peter Betts ist nur ein weiterer Selbstdarsteller, der mit seinen Klöstern und in seiner Robe als Ajahn Brahm nach Geld stinkt. Wer irgendeinen Zweifel daran hat, dass seine Nonnenordinationen gar nichts mit Gleichstellung und Emanzipation zu tun haben, der sollte a) die Hierarchie des Ordens im Vinaya nachlesen, und b) mal als bekennender Transsexueller oder Hermaphrodit in seinen Orden einzutreten suchen.

Da schämt sich selbst der Wald.

[Anm.: Aus mir unerfindlichen Gründen gab es auf diese Seite nach Veröffentlichung des Beitrages zwischen 21 und 22 Uhr deutscher Zeit fast Tausend Zugriffe. Wenn jemand den Grund kennt, möge er ihn mir mitteilen.]
 

Donnerstag, 4. Juni 2015

Ajahn Brahm alias Peter Betts (I):
Der Elefant, der vom Schwanz her stinkt

Wir hatten Ajahn Brahm vor dem Treiben in der vietnamesischen Pagode Phat Hue gewarnt, er schlug die Warnung in den Wind und kam 2012 zu einer keinesfalls billigen Veranstaltung wieder. Nun hat er mit seinem neuen Titel "Der Elefant, der das Glück vergaß" in Deutschland einen Sachbuchbestseller erzielt, den kürzlich Literaturkritiker Dennis Scheck verriss. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als mir den Mann nochmal genauer anzuschauen.
   Der Verlag gibt an, Brahm habe 1983 mit seinem damaligen Mönchsbruder, der später entrobte, ca. 40 Hektar Land bei Perth (Australien) erworben. In einer Doku wird außerdem geschildert, wie der Grund und Boden für das von ihm mitinitiierte Nonnenkloster Dhammasara (unweit des Männerklosters) durch Spenden in Höhe von 650.000 Dollar gesichert wurde. "It is comfortable" verrät der Mönch einmal seine weltlichen Absichten, die sich auch darin zeigen, wie er sich selbst für eine Woche versteigerte. Ein Mönch, der sich für seine Nonnen prostituiert, sozusagen.
   Das ehemalige Kloster Ajahn Chahs, auf den sich Peter Betts alias Ajahn Brahm noch immer bezieht, hatte ihn freilich bereits 2009 offiziell aus der Sangha ausgeschlossen. Eigentlich sollte man also weder von Ajahn Brahm weiter reden, noch sollte er sich in Mönchsrobe zeigen, solange er nicht in einer anderen Sangha neu ordiniert und Reue gezeigt hat. Neben Jack Kornfield - von dem ihn immerhin unterscheidet, dass er seine Reden kostenlos ins Netz stellt - ist dieser Peter also ein weiterer geschickter Vermarkter eines berühmt gewordenen thailändischen Waldmönches, der sich gegen all den Unsinn derer, die sich auf ihn berufen, nicht mehr wehren kann. 
   Zweifellos ist dieser Brahm(ane) ein guter Redner, passabler Erzähler und mit Humor gesegnet. Wie recht aber der Kritiker hatte, ihn zu veralbern, soll eine Geschichte verdeutlichen, die ich einem seiner Werke entnahm.

Das Pferd, das schwänzte

Neulich sah ich in der Zeitung eine Anzeige: "Suche Mann mit Pferdeschwanz. Frisur egal." Ich musste herzhaft lachen. Im Palikanon werden die 32 äußeren Zeichen eines Buddha aufgezählt, wozu auch die Fähigkeit gehört, den Penis in den Körper zurückziehen zu können. Was hat es denn damit bitte auf sich?, werden Sie sich nun fragen, liebe Leser und Leserinnen. Nun, zunächst einmal könnten wir daraus den Schluss ziehen, dass es einem Erwachten gut ansteht, seinem Geschlecht keine Prominenz mehr zuzugestehen. Dann findet sich hier bereits der erste Hinweis darauf, dass es dem Buddha nicht um deine Diskriminierung des weiblichen Geschlechtes ging. Solche Details sind es, die uns klarmachten, wie wichtig ein Nonnenorden dem Buddha heute wäre. 
    Als ich einmal schweißgebadet mit einer Infektion in der Notaufnahme lag und den Tod vor Augen hatte, wurde mir die Erfahrung eines "zurückgezogenen" Penis zuteil. Ich schaute an mir herunter, wo man mir eine Metallschale unter das Genital gelegt hatte, in die ich nach Bedarf pinkeln konnte, da ich zu schwach zum Aufstehen war. Und wahrlich, ich konnte meinen Penis kaum noch sehen. Von daher muss der Ausdruck stammen: Den Schwanz einziehen.
   
Richtig. Die Geschichte stammt natürlich von mir, nicht von Peter Brabbelbrahm. In seinem Buch werden solche Fragen erörtert wie die, was man machen würde, wenn ein wichtiges buddhistisches Buch in der Kloschüssel weggespült würde. Brahm würde den Klempner rufen, ich würde seins noch hinterherwerfen. Oder: Da wird ein Abt ausgeraubt, markiert den Coolen und sagt dem Einbrecher, er solle nur alles mitnehmen, die Spenden seien ja eh für die Armen. Da hat der Ajahn Tran aber vergessen, dass die buddhistische Ethik den Diebstahl untersagt und nicht zu fördern hat, und dass so mancher Einbrecher zu den Reichen gehört.
   Ajahn Brahms "Lizenz zum Glücklichsein", ebenfalls im Buch abgedruckt (und von ihm unterschrieben), ist so viel Wert wie seine Robe - nichts. Jeder kann sich nun eine anziehen, sich Ajahn Münchhausen nennen, einen Transsexuellenorden aufmachen, auf Ajahn Chah berufen, Riesengrundstücke erwerben und blöde Geschichten erzählen.
   In Teil 2 soll es um seine Belebung des Nonnenordens gehen.

[Photograph by Linda Molendijk (2001) Donated to www.bswa.org]



[Da Endorphine: "Nam Tem Kaew" (Wasser, das Glas füllt)]

Freitag, 22. Mai 2015

Amerikanisches Zen (II): Feministische Umdeutungen

Zu meiner Überraschung kann ich nach dem II. und III. Kapitel von "Hidden Lamp" das Buch nun doch empfehlen. Eine Fülle von Texten fand mein Gefallen, was auch an der Auswahl der kommentierten Geschichten lag. Ich mache mir aus Zeitgründen momentan nicht die Mühe, die Autorinnen alle zu verlinken: Pat Enkyo O'Hara (Maezumi-Glassman), Christina Feldman (Insight Meditation), Reigetsu Susan Moon (Shunryu Suzuki), Myoshin Kate McCandless (Suzuki), Catherine Genno Pagè (Genpo Merzel), Nancy Genshin Gebish (Maezumi), Tonen Sara O'Connor (Tozan Akiyama), Sobun Katherine Thana (Suzuki), Thannisara (Ajahn Chah, Chan, Reines Land), Myokei Lynda Caine-Barlett (Nichiren), Shinshu Roberts (Suzuki), Ursula Jarand (Soko Morinaga), Eve Myonen Marko (Glassman), Sallie Jiko Tisdale (Jiyu-Kennett), Laurie Scaley Senauke (Suzuki), Laura del Valle (Zoketsu Norman Fischer), Grace Schireson (Suzuki). Die vielen Nennungen von Lehrerinnen in der Suzuki-Linie täuschen etwas darüber hinweg, dass diese überproportional in dem Buch repräsentiert sind und es ebenso viele schwache Beiträge aus dieser Linie gibt. Die besseren sind insbesondere auf den Einfluss von Zoketsu Norman Fischer zurückzuführen, wie mir scheint. 
   Die größte Überraschung für mich war, dass erneut aus der Maezumi- und Glassman-Linie mehrere interessante Texte auftauchten (Eve Myonen Marko ist Bernie Glassmans Ehefrau, allerdings auch von ihm zu einer seiner Dharma-Erbinnen ernannt, was zumindest ungeschickt ist). Wie Ihr wisst, habe ich Glassman in erster Linie seine plakativen Meditationen in Konzentrationslagern übel genommen, weil sie vor allem vom Showeffekt leben. Was ich damit u. a. meine, hat ein ebenfalls lange von mir kritisierter und inzwischen etwas lieb gewonnener Jude, nämlich Henryk Broder erläutert. Aufgrund der o. g. Texte habe ich Glassman aber nun aus meiner Liste der nicht empfehlenswerten Zenlehrer entfernt. Ein Lehrer gewinnt eben durch gute Schüler/innen (Peter Matthiessen hatte ich schon empfohlen).
    Was in den fragwürdigen Kôan-Interpretationen auffällt, ist ihre feministische Umdeutung. Als Yuanwu Keqin einer Jiao-an rät, ihre Ansichten zu tilgen, um frei zu werden, entgegnet diese in einem Vers, es bliebe dennoch Sand in den Augen. Dies wird als Korrektur des Lehrers gesehen im Sinne von: "Auch dann werde ich noch ein Mensch sein." Diese Deutung mag gerade noch angehen. In anderen Fällen wird die Kraft eines Kôan jedoch geschwächt. Judith Simmer-Brown meint, nicht nur Buddhas, sondern alle Wesen seien durch die Vagina ihrer Mütter zur Welt gekommen. Wenn wir mal vom Kaiserschnitt absehen, gibt es hier ein Problem mit der buddhistischen Mythologie: Buddhas Mutter soll ihn ja durch den Eintritt eines weißen Elefanten seitlich in ihren Leib empfangen haben, und da trat er dann bei der Geburt auch aus. Genau wie bei der Christuslegende wird die Vagina also eher "geschont".
   In einigen Kôan, die wir kennen, sagt ein Schüler etwas offensichtlich Passendes, es wird aber vom Meister nicht angenommen. Nach einigem Hin und Her fragt der Schüler dann, wie es denn der Meister ausdrücken würde. Und dieser benutzt exakt die gleichen Worte wie der Schüler, die er eben noch aus dessen Munde ablehnte. Diese Geschichten zeigen uns vor allem, dass hinter dem Gesagten authentische Erfahrung stehen soll. Auf Nachplappern wird kein Wert gelegt. In einer Story dieser Art begegnet Chaochou (Joshu) einer alten Frau auf einem Acker und fragt sie, was sie täte, wenn sie einem Tiger begegne. Die Alte meint, sie habe vor nichts in der Welt Angst, und arbeitet weiter. Daraufhin brüllt Chaochou wie ein Tiger. Die Alte brüllt zurück. Chaochou kommentiert: "Da ist immer noch dies." Chi Kwang Sunim (Kusan) aber meint in ihrem Kommentar, beide seien im Gleichgewicht. Das geht mir dann, bei allem Charme gerade der Omis in Kôan, doch zu weit.



Montag, 11. Mai 2015

Ole macht den Hampelmann




Wie ich kürzlich schon schrieb, haben sich in den letzten Monaten die Zugriffe auf Beiträge über "Lama" Ole Nydahl auf diesem Blog gehäuft. Und die dämlichen Kommentare dazu, die ich meistens lösche. Sie sind fast immer anonym verfasst und kommen auch stets durch die Hintertür nach dem Motto: Ein guter Buddhist tut dies und das nicht (außer natürlich es ist der Ole) und wie man sich übles Karma auflade (das könnt ihr ja oben gut erkennen - wer nicht aufpasst, tanzt noch als Opi hässliche Weiber mit ner Flasche in der Hand an). Statt diese Beiträge freizuschalten und zu kommentieren, ging ich nochmal auf die Suche nach Youtube-Clips, die den Ole als den Dummschwätzer entlarven, für den ich ihn halte. Und siehe da, ich hab was Altes ausgegraben, wie Ihr unten seht. Hier ein paar Zitate, die klarmachen, wie Wohlfühlbuddhismus funktioniert (Übersetzung von mir):

"... die Meditation beginnen mit dem Gefühl: 'Ich meditiere nun zum Nutzen aller Wesen' und sie beenden, indem man all diese guten Gefühle teilt ... und für alle, die schnelle Erleuchtung wollen ... die offene, klare Essenz im Innern kontinuierlich erfahren wollen ... gibt es Methoden, bestimmte Formen der Energie und des Lichts zu visualisieren ... und Mantras oder Vibrationen zu benutzen ... und sie aufzulösen und immer wieder ins uns zu vermischen."

Ich habe schon Leute im Cannabisflash so daherreden hören. Erschreckend. Für mich hat der Mann - wahrscheinlich infolge seiner selbst eingestandenen Drogenexzesse (Details auch zu seiner Vergangenheit als Drogenhändler finden sich hier) - einen frühen Dachschaden davongetragen, der sich in seinem sinnlosen Geplapper äußert, das seine Anhänger, die hier auf diesem Blog kommentieren wollen, regelmäßig genauso wenig verstehen wie offenbar er selbst, und dass dann zum gleichen kopierten Gebrabbel in Schriftform führt.

Der beste Satz, in dem sich der Ole, natürlich auch wieder unbewusst, selbst beschreibt, ist hier: "The whole spiritual thing is missing." Eine wirklich traurige Stelle gibt es auch, bei ca. Minute 5, wo er berichtet, dass ihm sein Lama in Sikkim von der Knöchelverletzung seiner Mutter in Dänemark erzählte - und wie sich das später als wahr bestätigte. Man möchte fast weinen, wenn man sich den naiven Ole von einem tibetischen Scharlatan an der Nase herumgeführt vorstellt.

Ab ca. Minute 7 will der Ole den Zuschauern weißmachen - nachdem er sich und seine Clique zuvor als die Experten für Tod und Wiedergeburt ausgegeben hat -, dass der 15. Karmapa seine Wiedergeburt ganz exakt vorhergesagt hätte. Leider zeigt der Ole in seiner Mimik die ganze Palette von Zeichen, die darauf hindeuten, dass einer die Unwahrheit sagt bzw. nicht recht glaubt, was er von sich gibt, wozu das Heben der Augenbrauen und gehäuftes Zwinkern zählen.

Gegen Ende übernimmt der Moderator dann noch diesen Eso-Duktus, wenn nach dem Tod "regelmäßige Gedanken als objektive Teile äußerer Realitäten" erscheinen sollen.

Mit solchen Dingen hat es jedoch folgende Bewandtnis: Sie geschehen nicht nach dem Tod, sondern im gegenwärtigen Leben. Dies zeigte mir kürzlich erst wieder ein luzider Traum, in dem ich beschloss, die mich - im Traum - umgebenden Geistwesen oder Dämonen um Hilfe zu bitten, statt Schabernack mit mir zu treiben, was in den folgenden Tagen ein körperliches Problem beseitigte, worunter ich ein paar Wochen gelitten hatte, und zu weiteren "schönen" (und erotischen) Träumen führte. Dies sind und bleiben jedoch alles Ausgeburten eines (lebendigen) Geistes. Das läuft also in einer Art Selbsthypnose oder in einem Zwiegespräch mit dem eigenen Geist ab. 

Der große Irrtum des Ole Nydahl und seiner Anhänger besteht darin, dass sie diese Projektionen des eigenen Geistes nach außen übertragen und damit den Kardinalfehler begehen, gegen den sich der Kern der buddhistischen Lehre richtet: Nicht die Welt und unsere Überzeugungen als Ergebnis unserer eigenen Vorstellung zu erkennen. Das Traurige ist, einen buddhistischen Lehrer seinen eigenen Illusionen aufsitzen, damit durch die Welt reisen und andere Leute belästigen und in eine ähnliche Verwirrung stürzen zu sehen. Tatsächlich ist Ole Nydahls ganze Lehre m. E. auf eine unbegründete Angst vor etwas Nachtodlichem zurückzuführen, was ganz einfach als vortodliche Imagination durchschaubar sein kann. Genau wie alle Spinnereien, die sich im Hirn so abspielen, und denen wir - wenn wir ihre Subjektivität und Begrenztheit erkannt haben - nach Belieben Aufmerksamkeit widmen können oder auch nicht. So locker könnte man das jedenfalls handhaben, wenn man nicht irgendwann einmal einen Horrortrip erlebt und - statt ihn angemessen zu verarbeiten - sein ganzes Leben vor ihm Reißaus genommen hätte. Die ganzen Reisen des "Lama" Ole Nydahl um die Welt sind in meinen Augen nichts anderes als eine fortwährende Flucht vor diesem von seinem eigenen (Körper und) Geist fabrizierten Horror. Diese Angst spricht auch aus vielen Kommentaren von Nydahl-Anhängern, die sich regelmäßig durch ihr falsches Verständnis von Karma verraten.



Dienstag, 5. Mai 2015

Crowdfunding für Film über Soyu Matsuoka

Soyu Matsuoka (1912-1997) war neben Sokei-an, Nyogen Senzaki u. a. einer der Pioniere des Zen in den USA. Ende der 40er Jahre eröffnete er einen Zentempel in Chicago, verließ aber später die Soto-Schule Japans, da er ihre Ausbildungsklöster und ihre Authorität für hinderlich auf dem Weg der persönlichen Erfahrung des Zen hielt. Matsuokas Dharma-Erben wurden folglich auch immer wieder in Frage gestellt. Einer von ihnen, Zenkai Taiun Michael Elliston (der 2007 offiziell von Shohaku Okumura, einem Schüler Kosho Uchiyamas [Antaiji], bestätigt wurde), will sich nun auf die Spuren seines Lehrers in Japan begeben. Ein junges Filmteam möchte dazu eine Doku drehen und stellt ihr Projekt auf der Crowdfunding-Plattform "Kickstarter" vor. Ich könnte mir vorstellen, dass bei der Recherche in Japan einige Überraschungen zutage treten, und habe selbst einen kleinen Beitrag gegeben.
   Zitat von Matsuokas Nachfolger Zenkai: "Don't Americanize Zen!" Ich empfehle sein Teisho  über "Dying" und den Tod seines Bruders.

[Foto zeigt Soyu Matsuoka und Shunryu Suzuki] 




Sakanaction (vgl. Beitrag vom 28.02.2015)

                  

Samstag, 2. Mai 2015

Amerikanisches Zen (I): Frauen und Sex

Ich lese gerade "The Hidden Lamp", herausgegeben von Zenshin Florence Caplow und Reigetsu Susan Moon (Wisdom 2013), mit einem Vorwort von deren Rôshi Zoketsu Norman Fischer, einem der brauchbaren US-Zenlehrer. Es handelt sich um eine Sammlung von kurzen Geschichten und Kôan aus der buddhistischen Tradition, in denen Frauen eine Rolle spielen. Alle werden auch von Frauen kommentiert, also von Buddhistinnen, in der Regel Zen-Lehrerinnen. In den kommenden Beiträgen will ich mich dem ein oder anderen Abschnitt aus diesem Buch widmen. Im Ganzen taugt es m. E. nicht für eine Übersetzung [Im zweiten Teil wird deutlich werden, warum ich meine Ansicht änderte, ich lese das Buch langsam.]

Um mich nicht zu beeinflussen und da mir die meisten Autorinnen unbekannt waren, habe ich mir stets erst ihre Darlegungen durchgelesen, dann ihren Hintergrund nachgeschlagen. Neben einem Glossar und der Auflistung der Textquellen enthält das Buch nämlich auch eine Bibliografie und ein paar Sätze zu jeder Lehrerin. Heute bin ich mit etwa einem Viertel des Buches durch. Etwas überraschen mag die überwiegende Mittelmäßigkeit, die aus den Erbinnen der Shunryu Suzuki-Linie spricht. Schwach erscheint in diesem Buch auch die Linie Houn Jiyu-Kennetts. Bestätigt hat mich das psychologisierende und oft wertende Schreiben der Schülerinnen aus dem Umfeld Philipp Kapleaus und die Unklarheit, die häufig aus Beiträgen von Schülerinnen Seung Sahns spricht (siehe rechts die Rubrik "Lehrer, von denen der Asso-Blog abrät").

Zugesagt haben mir so weit die Beiträge von Merle Kodo Boyd [Bernard Glassman/Wendy Egyoku Nakao], Angie Boissevain [Kobun Chino/Vanja Palmers], Daiyu Judith Randall [Shunryu Suzuki/Paul Haller] und - mit Abstrichen - Natalie Goldberg [Dainin Katagiri & TNH]. Um das vorwegzunehmen: Ich finde es erfreulich, wenn (ehemalige) Schüler/innen mäßiger Lehrer einen guten Eindruck bei mir hinterlassen. Im Falle Frau Goldbergs aber scheinen mir die "Abstriche" auf Einflüsse von TNH zurückzuführen zu sein, bei dem sie "ordiniert" haben will.

Eine Lehrerin, die mir ein Begriff war, da Eido Shimano Roshi sie zur Nachfolgerin ernannte, ist Roko Sherry Chayat. Sie schreibt an einer Stelle über ihre Kôan-Schulung: "Ich wusste, dass meine Antworten der Herausforderung nicht gerecht wurden. Ich spürte, dass das Kôan eine aggressive körperliche Handlung erforderte." Das ist umso bemerkenswerter, als sie - wie Goldberg zu Katagiri - eine sexuelle Beziehung zu ihrem Lehrer gehabt haben soll. Dieses Thema spielt auch in den ersten von mir kritisierten Textpassagen eine Rolle.

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In einer bekannten Zengeschichte unterstützt eine Frau zwanzig Jahre lang einen Einsiedlermönch. Dann testet sie ihn, indem sie ihre junge, hübsche Tochter vorbeischickt. Der Mönch lehnt die körperliche Annäherung an sie ab, die alte Mutter verbrennt daraufhin dessen Einsiedlerhütte. Die Pointe ist offenbar, dass die Zenübung nicht zum Leugnen einfachster körperlicher Bedürnfisse führen sollte. 

Zenkei Blanche Hartman jedoch macht in ihrem Kommentar daraus den Ansatz eines feministischen Manifestes. Prinzipiell kann ein solcher Tonfall in einem Buch dieses Anliegens nicht überraschen. Es sind jedoch die ungeklärten Widersprüche in ihrem Text, die aufhorchen lassen. So sagt sie an einer Stelle: "Ich spüre, dass es einen Weg zu leben gibt, auf dem nicht jeder zum Sexualobjekt verdinglicht ("without objectifying anyone as a sexual object"), wo aber die Schönheit von Menschen weiterhin gewürdigt wird. Dies bedeutet, nach den Geboten zu leben." Ein paar Absätze danach zitiert sie Bruder Steindl-Rast: "Wenn ich jeden auf die gleiche Art lieben will, dann muss ich entweder zölibatär leben oder sehr promisk!" 

Nun ist bei dogmatisch Gläubigen die Pflege extremer Gegensätze nichts Neues, aber wie könnte ein promiskes Leben ohne die unterstellte Objektifizierung der Frau einhergehen, die eine Standardfloskel des Feminismus ist? Ich wundere mich darüber, dass eine Zenlehrerin nicht den Tatsachen ins Auge schaut: Zum einen ist mit der Lust auf Menschen nicht automatisch verbunden, sie nicht mehr als Subjekt wahrzunehmen. Zum anderen werden ja gar nicht alle Frauen begehrt, sondern die Schönen am häufigsten und intensivsten; es sind also bei Weitem nicht alle Menschen betroffen. 

Vor ein paar Tagen rief ich eine junge Mutter an, die sich vor zwei Jahren noch prostituierte. Dann erbte ihr Lebensgefährte, der Vater ihres Kindes, eine Menge Geld und ein Haus von einem alten, wahrscheinlich schwulen Ausländer, der an einer langwierigen Krankheit verstorben war. In der Übergangszeit, als das Erbe vor Gericht geklärt wurde, ging sie noch anschaffen. Wir hatten immer ein angenehmes Verhältnis, das auch kaum getrübt wurde, als ihre damals beste Freundin (meine Hauptgefährtin) sich mit ihr etwas verkrachte. Einmal kroch sie für eine Nacht bei mir unter, weil sich ihr Partner eine Nebenfrau genommen hatte und sie darüber erbost war. Inzwischen hat dieser von dem Erbe ein Internetcafé eröffnet, in dem sie arbeitet. 
   Ihre alte Telefonnummer funktionierte noch. Ich erkundigte mich vorsichtig, ob sie denn noch mit Ausländern Sex habe. Sie lachte und sagte: "Mit dir schon." Ich frage mich also, ob Frauen wie Zenkei Blanche Hartman oder Männer wie Steindl-Rast begreifen, dass es eine Art "unabhängiger promisker Lust" gibt, die nicht bindet und den anderen als Person wahrnimmt und achtet, aber als eine unter vielen. Der Ausschließlichkeitsanspruch, der aus den Worten dieser beiden Lehrer spricht (im Falle des Christen aus der Vorstellung des Zölibats) kann für mich kein Zeichen spiritueller Reife sein. Er spiegelt jedoch eine typische Wunschvorstellung gewöhnlicher Frauen an ihre Partner wieder.

Deutlich wird dies auch im Kommentar von Hoka Chris Fortin zu Miaozongs bekanntem "Dharma-Interview". Miaozong studierte, noch bevor sie Nonne wurde, bei Meister Dahui (Tahui) und bekam ein Zimmer im Gebäude des Abtes. Das brachte den Obermönch auf die Palme, weshalb Dahui ihm riet, doch mal mit der Dame zu reden. Miaozong fragte diesen Mönch dann, ob er ein weltliches oder ein Dharma-Gespräch wolle. Dieser verlangte ein Dharma-Gespräch. 
   Zunächst musste er seine Gehilfen wegschicken, dann rief sie ihn herein. Dort lag sie splitternackt auf dem Rücken. Der Mönch deutete auf ihre Genitalien und fragte: "Was für ein Ort ist das?" Miaozong erwiderte: "All die Buddhas, Patriarchen und Mönche kommen von da." Der Mönch fragte: "Darf ich eintreten?" Miazong sagte: "Pferde ja, Esel nein." Da fiel dem Mönch nichts mehr ein und Miaozong erklärte das Gespräch für beendet.

In Fortins Kommentar heißt es nun: "Miaozongs grenzenloses Vertrauen in den reinen Dharmakörper der Übung und ihr verkörperter Glaube ("embodied faith") in die Heiligkeit eines Frauenkörpers fanden in mir Widerhall wie das Brüllen eines Drachen." Doch obwohl sie später schließt, Ansichten, die Frauen diskriminieren, seien laut dieser Geschichte keine Brücke zur Erleuchtung, übersieht Fortin in ihrem gesamten Text die Pointe dieses Kôan aus dem Shonan Kattoroku: Der Obermönch hätte Miaozong besteigen und lieben sollen, damit seine heimliche Eifersucht und verklemmte Sexualität geheilt worden wären. Miaozong bot ihm nicht weniger an, als sie auch Dahui angeboten hat oder hätte.

Fazit: Gebote werden selbst dann gelebt, wenn man seiner erotischen Zuneigung zu anderen Menschen Ausdruck verleiht. Dies geschieht - so wollen es auch traditionelle Zen-Stories - nicht selten im körperlichen Liebesakt. Wer seine Liebesfähigkeit nicht auf die ausdehnen kann, die davon sich und andere ernähren, der kann in meinen Augen keine angemessenen Kommentare über einen Mönch, der ehrlich zu seiner Impotenz stand, oder eine Nonne, die sich schlicht einem Eifersüchtigen zum Sex darbot, verfassen. An dieser Krankheit leidet im Allgemeinen das ganze Teisho-Gewese im Zen. Es ist wie bei einer billigen thailändischen Seifenoper, wo man die Pointen im Voraus kennt, weil sie sich seit Dekaden nicht ändern und kaum mal einer mit einem anderen, frischen Blick auf die Überlieferung schaut.

[Video: Sakanaction, weitere schöne Videos auf ihrem Youtube-Channel]

Freitag, 27. März 2015

Wolf-Dieter Nolting, Christoph Hatlapa und die "Rei-Bande" (II): Angebliche Mönchsordination

Indiz 6:
Über Wolf-Dieter Nolting wird beim "Zen Kreis Europa" und "Zen Kreis Kiel" behauptet:
"1986 wurde er im Myoshin-ji (Kyoto) zum Mönch ordiniert."

Über Christoph Hatlapa wird bei der Choka Sangha behauptet:
"1987 wurde er im Myoshinji-Kloster in Kyoto/Japan zum Zenpriester und Zenmönch ordiniert."

Ich habe den Myoshinji-Tempel diesbezüglich kontaktieren lassen und - unter Angabe ihrer bürgerlichen wie der buddhistischen Namen (Rei Shin bzw. Rei Ho) - gefragt, ob dies stimmt.  
Die Antwort des Myoshinji:

"Wir haben nachgeschlagen, aber die Namen der Personen sind nicht im Mönchsstand (僧籍 sôseki) der Gruppe/Sekte des Myôshinji.
Mit freundlichen Grüßen
Kyôke-Center" 

お返事遅れて申し訳ありません。
調べましたが、妙心寺派の僧籍にこの方の名はございませんでした。
よろしくお願いいたします。
教化センター



[Natsume Mito: "Maegami Kirisugita"]

Mittwoch, 25. März 2015

Die "Rei-Bande": Intermezzo
mit einem Hinweis auf Masters & Johnson

Im Forum "Buddhaland" hat der Moderator Ji'un Ken (Alf Bartholdy), der dort erst kürzlich nach einer Abmahnung meinerseits die Veröffentlichung einer privaten Email rückgängig machen musste, folgendes behauptet: "Ich habe heute eine Mail von der "japanischen Botschaft" in Hamburg bekommen, mit der Bitte, meinen Streit mit Herrn K. selber zu klären. Dieser hat dort per Mail nachgefragt, ob sie wirklich etwas für mich übersetzt hätten, denn es könnte sein, das ich lüge."

Wie üblich, ist diese Behauptung aus dem Zusammenhang gerissen. Ji'un Ken hatte behauptet, die "japanische Botschaft" in Hamburg angeschrieben zu haben. Es gibt dort jedoch nur ein Generalkonsulat, die Botschaft sitzt in Berlin. Da also zunächst nicht klar war, wen er überhaupt kontaktiert hatte, schrieb ich zur Sicherheit gleich auch noch die Botschaft in Berlin an, die übrigens antwortete, sie würde keine Übersetzungsanfragen bearbeiten.

Dem Generalkonsulat in Hamburg hatte ich folgendes geschrieben:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

in einem buddhistischen Forum behauptete heute ein User namens Ji'un Ken (bürgerlich Alf Bartholdy), dass er die "japanische Botschaft" in Hamburg um die Übersetzung eines Artikels aus einer buddhistischen Zeitschrift gebeten habe: 
Den Artikel sende ich Ihnen im Anhang. 

Möglicherweise hat er gelogen, oder aber er meinte Ihr Japanisches Generalkonsulat. (...)"

Die Möglichkeit, dass Ji'un Ken gelogen haben könnte, bezog sich also zunächst auf seine eigene sachlich falsche Aussage, er habe die "japanische Botschaft" in Hamburg angeschrieben - da es eine solche dort ja nicht gibt. Wenn man behauptet, eine offizielle Stelle an einem Ort angeschrieben zu haben, die es dort gar nicht gibt, setzt man sich natürlich dem Verdacht aus, gelogen zu haben. Oder aber dem, dass man da eine Bildungslücke hat. Darum habe ich dies gleich mit bedacht: Falls er das Generalkonsulat gemeint haben solle, habe ich demzufolge KEINE Lüge unterstellt, wie aus meiner Formulierung ("oder") eindeutig hervorgeht.

Als klar wurde, dass das Generalkonsulat tatsächlich involviert war, habe ich nachgehakt, was denn dort nun übersetzt wurde, da Ji'un Ken den Passus, den er zitierte, nicht in Anführungszeichen setzte und damit nicht als wörtliches Zitat markierte. Daraufhin wurde ich auf Bartholdy zurückverwiesen.

***

Drollig ist - im gleichen Thread - auch der Beitrag von blue_apricot, dem Pendant zu "stiller_raum", das mal wieder nicht mehr an sich halten konnte und sich über seine Gesinnung verriet:

"Die Verantwortung wie sich das weiter entwickelt, ich meine auch im Hintergrund, nicht für jeden sichtbar, die liegt auch bei uns allen. Er agiert jetzt in Thailand und von da ausgehend - und seine Emotionen und Handlungen, die hier vielleicht aufgeheizt werden, werden auch vor Ort wirksam. Ich möchte nicht daran beteiligt sein, wenn er sich das die nächste "Hure" greift um sich auszuagieren oder irgendein Video mit angeblichen Mönchen beim Sex veröffentlicht, mit Leuten, die sich in ihrer Armut nicht mehr zu helfen wissen Sein ganzes Vorgehen, seine Sichtweisen sind abscheulich und inhuman, und mit nichts zu rechtfertigen."

Diesen Beitrag habe ich nicht gemeldet, weil sich daran noch einmal die Gesinnung von feigen anonymen Stalkern im Internet aufzeigen lässt. Zunächst wird der Ausdruck "Hure" nicht von mir benutzt, sondern von einer von diesem Berufszweig (und wohl auch der Sexualität im Allgemeinen) offensichtlich angewiderten Person. Dazu kommt eine Prise Hobby-Psychologie und eine dickere Portion Dummheit: Die in den Videos gezeigten Mönche sind zweifelsfrei ebensolche, der in Thailand ertappte wurde von der Polizei überführt, ein Geständnis findet sich im Video. Der Kambodschaner mit den rotierenden Hüften lebt in den USA (!), und er wurde zur Massage der von ihm bestiegenen Frau gerufen. Es handelt sich also keinesfalls um "Leute, die sich in ihrer Armut nicht mehr zu helfen wissen".

Dazu gibt es eine schöne Anekdote. Kürzlich sprach ich mit einem Leutnant der Einwanderungsbehörde über den Umgang mit Wanderarbeitern in Thailand. Es ging um die Berufsmöglichkeiten dieser Menschen. Da sagte er nicht ohne Ironie, man habe ein Abkommen ("MoU") mit den Nachbarländern (Kambodscha, Myanmar, Laos) getroffen, nach dem deren Arbeiter eben bevorzugt die Jobs erledigen dürften, die Thais selbst oft nicht mehr machen wollten. Darum dürfen sie momentan zwar für den Mindestlohn auf dem Bau schwitzen oder Zimmer putzen (was natürlich auch fast jede thailändische Prostituierte könnte), aber zum Beispiel nicht in besser bezahlte Massagejobs, wie etwa im Spa, die Thais vorbehalten bleiben sollen.
   Zur Erinnerung: Es gibt hier praktisch keine Arbeitslosigkeit, darum ist jeder Einwurf, thailändische (!) Freudenmädchen hätten keine Wahl, absurd. Das Bruttoinlandsprodukt Thailands ist gut 5 mal so hoch wie das Kambodschas (nach Schätzungen eines hiesigen Magazins soll das Durchschnittseinkommen incl. Schwarzgelder bei 25.000 Baht, also ca. 700 Euro, pro Person in Thailand liegen).

Danke, blue_apricot, dass du uns noch einmal Einblick in die Denkweise spinnerter Aktivistinnen gegeben hast. Heute findet sich in der Süddeutschen übrigens ein Artikel über die Prostitution in der Schweiz mit einem geschätzten Anteil der Zwangsprostitution von gerade mal 10 (zehn) Prozent! Nur, falls du jetzt gleich wieder auf diese Schiene hüpfen willst. 

Bedanken möchte ich mich auch für jede Hilfe bei Adrenalin- und Testosteronausschüttungen. Wie du ganz richtig sagst, stilles Früchtchen, funktioniert ein Mann in der Regel so: Je lebendiger er ist, desto mehr Frauen möchte er befriedigen. Gerade habe ich einem Amerikaner am Strand, der u. a. meinte, man könne in Thailand keinen kostenlosen Sex bekommen und die professionellen Freundinnen ("professional girlfriends") würden allesamt ihren Orgasmus vortäuschen, verschiedene Merkmale erklärt, wie man diesen oder zumindest ihren Genuss erkennen kann. Neben der veränderten Intensität ihres "Ausflusses" und vor allem des verstärkten Geruches gibt es da ein ganz sicheres Merkmal: Die Verfärbung (Rötung) der inneren Schamlippen. Und nun schau mal nach, ob sich da bei dir noch so viel tut wie bei einigen Freudenmädchen in Pattaya, ehe du anderen deine Lustfeindlichkeit als Ethik reinschieben willst.

Oder stell einfach mal selbst einer am Straßenrand bettelnden Kambodschanerin mit Baby im Arm 2 Kilo Carnation-Pulver vor die Knie, statt das Geld dafür bei geistesschwachen buddhistischen Lehrern zu lassen, die deine Verwirrung nur vertiefen, statt sie aufzulösen. Oder begib dich auf der Suche nach einer migränegeplagten anderen Bettlerin zu - oja, echten ! - Mönchen in den Tempel, wo sie dir den Weg zu Migranten weisen, die billig oder kostenlos in armseligen Barracken hinter den schönen Buddhahallen hausen dürfen.

Du Blödschwätzerin. [Aufgrund von neuerlicher Kommunikation im Buddhaland gelöscht.]



[Amy Suzuki - "A Token of Love"]

Mittwoch, 18. März 2015

Wolf-Dieter Nolting, Christoph Hatlapa
und die "Rei-Bande" (I)

Ich habe gerade die Liste der Lehrer, von denen der Asso-Blog abrät, um zwei Namen und ihr Gefolge erweitert: Wolf-Dieter Nolting (Rei Shin Bigan) und Christoph Hatlapa (Rei Ho). Beide Lehrer habe ich über die Webseiten ihrer Sangha kontaktiert und um eine Kopie ihrer Dharma-Übertragung (inka shomei) - ein Schriftstück (ichi mai) der Rinzai-Tradition - gebeten. Im Falle von Nolting antwortete ein Dirk Künne u. a., er habe sich "entschieden Nolting nicht mit derlei Kinderkrankheiten zu belaestigen", mit Bezug auf eine um diese Lehrer entbrannte Diskussion im Forum Buddhaland. Künne aus dem "Wol(k)entor-Tempel" hatte allerdings zuvor Folgendes angeboten: "Falls es Sie interessiert kann ich Ihnen noch alte Vorträge raussuchen aus den 80er Jahren (von Sesshins in Deutschland), in denen Saidan Oi Roshi offiziell die Liniennachfolge und Aufgaben von Hatlapa und Nolting anspricht." Zunächst bestand ich auf dem Beleg für die Dharma-Übertragung, die Nolting und Hatlapa behaupten, von Oi Saidan Rôshi (Hokoji) erhalten zu haben. Als man mir lediglich anbot, vor Ort Einblick in diese zu nehmen, bat ich im Gegenzug um diese Vorträge - es kam aber von Seiten Herrn Künnes nichts mehr. Wir werden uns nachher mit den Widersprüchen in den Zeitangaben beschäftigen, die allein schon aussagekräftig sind. 
   Anders lief es bei Christoph Hatlapa. Er sandte folgenden Bericht aus einer japanischen buddhistischen Zeitschrift als Beleg, mit den Worten: "Oi Saidan hat in dem Ihnen vorliegenden Artikel alle seine Dharmanachfolger 1997 öffentlich bekanntgegeben, darunter auch mich." Hatlapa hat die maßgebliche Textpassage in dem Artikel weder markiert noch übersetzt. Da er, wie man in seinen Podcasts hört, nicht einmal den namen "Jôshû" korrekt aussprechen kann, darf man sowieso davon ausgehen, dass er weder Japanisch kann noch sich lange genug in Zenklöstern aufhielt, um dort eine klassische Kôan-Schulung abzuschließen. Die entscheidende Stelle in dem Artikel lautet: 

„Es gibt von Oberpriester Oi Saidan 2 japanische Zen-Priester, 8 buddhistische Laienbrüder und 5 deutsche HÔSHI. [Es folgen Namen und Tempel der Japaner, darunter Muka Reikô (向井令孝).] Die deutschen HÔSHI sind Nolting (Anwalt), Eckhart (Lehrer), Hatlapa (Anwalt), Robert (Musiker) und Anato(h) (Ärztin).“ 

Bei so vielen Anwälten möchte ich das passende Vokabular wählen.

Der Hôshi (oder hosshi) ist lediglich ein Dharma-Lehrer (siehe Baroni: Illustrated Encyclopedia of Zen Buddhism, Rosen Pub Group 2002, S. 138). 

Sowohl über Hatlapa als auch über Nolting wird aber mehrfach, auch auf den Webseites ihrer Sangha, behauptet, sie hätten von Oi Saidan sogar den Rôshi-Status zugesprochen bekommen


"Rôshi" oder "shike" wird im Rinzai-Zen genannt, wer Dharma-Übertragung (inka shomei) durch einen anderen "rôshi" hat.

Dazu der Abt des Antaiji, der zeitweise in einem Rinzai-Tempel übte: "In Rinzai Zen, it is relatively easy to say who is a rôshi and who is not. Anyone who is authorized by another rôshi (i.e. his teacher) is a rôshi. This authorization (officially the "inka-shômei" document) is documented on a piece of paper, that is why it is also called colloquially "ichi-mai", that is "one sheet (of paper)"." [Mehr Infos zu den Rängen im Rinzai auf Englisch hier.]

Indiz 1: In den Kreisen dieser Lehrer wird offenbar "Dharma-Siegel" als "inka" verstanden (siehe den vorletzten Link oben). Niemand, der daraufhin angesprochen wurde, hat bisher bestätigt, je ein solches Übertragungsdokument von Nolting und Hatlapa gesehen zu haben oder es beschreiben zu können (obwohl beide mir per email anboten bzw. anbieten ließen, es vor Ort einzusehen).

Interessant ist auch: Ein "Zen-Meister" (shike) ist im Rinzai üblicherweise unverheiratet (siehe Jorn Borup: Japanese Rinzai Zen Buddhism, Brill Academic Pub 2008). 

Es befremdet mich, dass Hatlapa ein öffentliches Vorzeigen seiner Übertragungsurkunde ablehnt. Ich bin Tausende Kilometer von ihm entfernt und fordere daher andere auf, dort hinzugehen und ein Foto des Dokumentes zu machen.
   
***

In einer weiteren email schrieb Hatlapa, auf die Frage, wann er denn nun "Dharma-Nachfolger" geworden sei: 

"Ich wurde 1993 als Dharmanachfolger von Oi Saidan Roshi bestimmt. Mein Dharmasiegel datiert vom 8.12.1993. Oi Saidan hat in dem Ihnen vorliegenden Artikel alle seine Dharmanachfolger 1997 öffentlich bekanntgegeben, darunter auch mich. Der Vortrag im Jahr 2000 [auf der EXPO] stellt lediglich eine öffentliche Bekräftigung dar."

Indiz 2: Siehe die email von Künne oben, in der von Artikeln aus den 80er-Jahren die Rede ist, wo bereits die Liniennachfolge von Hatlapa und Nolting angesprochen worden sein soll. 

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Kommen wir zu Wolf-Dieter Nolting, über den dies behauptet wird: 

"1986 wurde er im  Myoshin-ji (Kyoto) zum Mönch ordiniert und 1987 von Oi Saidan Roshi als Lehrer und als sein erster  deutscher Dharma-Nachfolger bestimmt."

Indiz 3: Schauen wir auf die Übersicht der Wiki über die Zen-Graduierungen, so wird deutlich, dass eine Ernennung zum Lehrer UND Dharma-Nachfolger nach einem Jahr Ordination nicht vorgesehen ist. 

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Einer derjenigen, der von Wolf-Dieter Nolting Dharma-Übertragung (inka shomei) bekommen haben will, ist Michael (Rei Ko) Sabaß. Auf der Webseite des Zen-Kreis Bremen heißt es: 

"1996 erhielt er von Rei Shin Sensei Dharma und Lehrerlaubnis."

Und hier heißt es sogar: 

"1990 begann Michael Sabaß seine Lehrtätigkeit im Zenkreis-Bremen unter Verantwortung von Rei Shin Sensei, der ihm 1995 die Dharma-Nachfolge und ein Jahr später die vollständige Lehrerlaubnis übertrug."

Indiz 4: Rei Shin, also Wolf-Dieter Nolting, ist laut dem Zen Kreis Basel erst 1998 selbst zum Rôshi ernannt worden. Nur ein Rôshi kann jedoch die Dharma-Nachfolge vergeben.

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Weiter heißt es bei Sabass über einen Sai Sho Sensei:

"Er wurde im Mai 2008 von Rei Ko Sensei [Michael Sabaß] zum Dharma-Nachfolger ernannt und im August 2009 als Zen-Lehrer anerkannt."

Noch einmal: Nur ein Rôshi ernennt im Rinzai einen anderen zum Dharma-Nachfolger (rôshi, shike). Damit ist selbstverständlich auch eine Lehrerlaubnis verbunden.

Obwohl weiter oben steht, dass Sabaß bereits 1995 oder 1996 die "Dharma-Übertragung" erhalten haben soll, wird er mit Bezug auf 2008 noch als einfacher "Sensei" (Lehrer) bezeichnet.

***

Indiz 5: In diesem neueren Interview, das lange nach dem von Hatlapa gesandten Artikel entstand, erwähnt Oi Saidan Rôshi ausdrücklich nur noch Dr. Nadine (Rei Myo) Tierelinckx, die im Übrigen auf meine Anfrage zu ihrem Status - und dem der anderen "Rei-Brüder" - überhaupt nicht geantwortet hat:

"Sie ist Deutsche und sie war hier 10 Jahre. Dann habe ich ihr die Qualifikation (Dharmaübertragung) gegeben. 30 verschiedene Leute haben ein Zen-Dojo gegründet."

Dr. Tierelinckx schreibt auf Ihrer Webseite tatsächlich von einem langen Aufenthalt in Oi Saidans Tempel und von ihrer "Dharma-Übertragung" (inka shomei) im Jahre 2006. Dieser Begriff wurde aber im o.g. Interview nicht mit einer Fußnote versehen, so dass wir nicht wissen, welches japanische Wort Oi Saidan Rôshi benutzte - das Wort "Qualifikation" klingt jedenfalls verdächtig nach etwas anderem, und als solle hier erneut etwas verschleiert werden. Fest steht, dass er außer ihr die anderen 30, die Dôjôs gründeten, kurz zusammenfasste. Kein weiterer deutscher Schüler von ihm wird als Dharma-Nachfolger genannt, hingegen wird zwischen den Zeilen jeder abgekanzelt, der nicht lange genug bei ihm lernte - und nur als "Dôjô-Gründer" bezeichnet. Bemerkenswert. Und typisch japanisch, weil die anderen nicht einfach ihr Gesicht verlieren sollen. 


 

[ Nakata Yasutaka: "Liar Game"]

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Indiz 6:  In diesem Artikel aus dem Jahr 2006 (!) wird über einen der angeblichen "Dharma-Erben" namens Eckhart, der im o.g. Bericht aus der japanischen buddhistischen Zeitschrift im gleichen Atemzug (und Rang) mit Hatlapa und Nolting genannt wird, gesagt: 
"Eckhart Gattermann (...) war (...) von 1984 bis 1988 Schüler des Abtes und Repräsentanten mehrerer Zen-Linien, Oi Saidan Roshi. Gatterman (...) ist in seinem Glauben ordiniert, was dem Status eines Pastors in christlichen Gemeinden gleichkommt. Er war oft in Japan und er hat zudem die Lehrbefugnis."

Auf Gattermanns Sangha-Website heißt es: 

"Eckhart Reitetsu Gattermann ist seit damals [1984] Schüler von Oi Saidan Roshi und von diesem inzwischen als Nachfolger anerkannt worden."

Es ist kaum anzunehmen, dass Gattermann in einem Interview von 2006 den "Dharma-Erben"-Status geleugnet hätte, den sich Hatlapa und Nolting aus o.g. Bericht einer japanischen buddhistischen Zeitschrift aus dem Jahr 1997 ziehen, in dem Gattermann gleichrangig genannt wurde. Gattermann sah sich noch neun Jahre danach offenbar nur mit einer Lehrbefugnis ausgestattet, was den Kreis zur obigen Lesart "hôshi" (Dharma-Lehrer) schließt.

Aus den genannten Gründen rate ich davon ab, bei diesen Lehrern Zen zu praktizieren.

(Wird fortgesetzt, auch mit Bezug auf inhaltliche Verdrehungen der "Rei-Bande".)

[Anmerkung: Es ist anzunehmen, dass die verlinkten Websites inhaltlich infolge dieses Beitrages geändert werden. Ich habe deshalb Screenshots als Belege angefertigt.]