Samstag, 24. Januar 2015

Im Angesicht des Teufels ...

Ich dachte mir, ich kann den Blog ja auch weiter für kurze Zwischenmeldungen nutzen, so im Sinne von "What's up?". Oder: "X-Files". Für mehr ist keine Zeit. Es erscheint gerade ein Buch nach dem anderen, wie Ihr auf meiner Verlagswebsite sehen könnt, in diesen Wochen die Klassiker Ryôkan, Huangpo und Linji, und dann ein paar Überraschungen. Ein Hinweis in einem buddhistischen Forum, ich solle doch endlich mal für meine Bücher in diesem Blog werben, sei damit gern aufgenommen ;-) 

Der folgende Nachschlag muss einfach sein, wo ich doch gerade noch über das "Karma" schrieb, und wie man dafür offen bleiben sollte. Dieser Tage lief ich einem der Lehrer, von denen der Asso-Blog abrät, Arm in Arm mit einem anderen Mann in Pattaya (Thailand) über den Weg. Als er mich ansah, wirkte das, als würde er dem leibhaftigen Teufel ins Gesicht schauen, und er drückte sich erschrocken an seinen Begleiter ran. 

Im Nachhinein fragte ich mich, ob ich vielleicht in das ausgemergelte Gesicht eines HIV-Infizierten gesehen hatte. 

Ein kurzer Anruf in einem französischen Hospital und ein bisschen Charme machte auch die dortige Lage klar, die Updates dieser Pflaumengemeinschaft waren mir einfach zu spärlich. Und ein weiterer der genannten Lehrer erfährt nun intern Widerstand von einer kleinen Gruppe, die mal genauer wissen will, ob er sie nicht zeitlebens ausnutzte und sich oder seinen "Verein" dadurch bereicherte. Revolution! Der Lehrer bat offenbar zwei seiner beschränkteren Anhängerinnen, eine "Schmutzkampagne" gegen diesen Blog(ger) hier loszutreten, die mich momentan amüsiert. Ich weiß, im Unterbewusstsein gefällt denen nicht, dass der Blog eigentlich pausiert. Es klingt wie ein Hilfeschrei: "Schreib doch bitte weiter! Von selbst kommen wir nicht drauf!"

Tja.

Macht damit, was Ihr wollt. Viele der im Lauf der letzten Jahre hier besonders Kritisierten sind inzwischen mehr oder weniger "erledigt". Irgendwann bin ich's auch. Und das Karma sollte man schon deshalb nicht wegreden, weil es einen verdammt schwarzen Humor hat ...

Der einzige auf meiner Liste, der sich als wahrer Freund erwies, ist  der Dalai Lama ;-) Deshalb gibt's auch ein Buch zu seinem Besuch in Basel und Kopenhagen.

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Lied von der Freude am Weg

"Schaut Meister Te-shan an: Sobald er einen Mönch kommen sieht, 
vertreibt er ihn mit seinem Stock."

Mit den folgenden von mir übersetzten Versen geht dieser Blog in eine unbestimmte Pause. Ich werde wohl im Internet bald etwas anderes machen. Weitere Texte aus dem Zen und verwandten Gebieten erscheinen in meinem Angkor Verlag. Zum Abschluss also Worte von Nanyue Mingzan (jap. Nangaku Myôsan), der im 8. Jahrhundert lebte und auch "Der faule Zan" genannt wurde ...

樂道歌   Ledao ge (jap. Rakudô-ka)

Heiter und sorgenfrei, nichts muss sich ändern.
Unbeschwert – was braucht’s da noch Worte?
Der wahre Herzgeist ist nicht zerstreut.
Wer müsste da weltliche Sorgen beenden?
Die Vergangenheit ist schon vergangen,
die Zukunft unvorstellbar.
Sorglos und gelassen sitzend,
wer sollte mich da schon besuchen kommen?
An den äußeren Dingen arbeiten zu wollen,
das ist eine Narretei!

Was den Proviant angeht – nicht ein Korn.
Wird dir ein Mahl angeboten, schlinge es runter.
Die Weltlichen sind voller sinnloser Sorgen,
jagen etwas hinterher, was sie nie bekommen.

Ich sehne mich weder nach Himmelsgefilden
noch nach den Segen dieser Welt.
Hungrig, esse ich.
Müde, schlafe ich.
Narren verlachen mich,
doch Weise verstehen:
Das heißt nicht, dumm zu sein,
sondern was wir von Natur aus sind.

Wenn du gehen musst, geh,
wenn du bleiben musst, bleib.
Über den Schultern eine zerschlissene Robe,
unten die nackten Füße.
Gerede und noch mehr Gerede
führt stets zu Fehlern.
Wenn du andere retten willst,
arbeite erst mal an deiner eigenen Rettung.

Such nicht voreilig nach dem wahren Buddha,
denn den kann man nicht finden.
Muss man die wunderbare Buddha-Natur
etwa mäßigen oder verfeinern?
Herzgeist ist unbeschwerter Geist,
dieses Gesicht – das Gesicht bei der Geburt.
Selbst wenn man den Karma-Felsen rollt,
verändert es sich nicht.

Unbeschwert meint genau das:
Kein Grund mehr, Worte zu studieren.
Ist die Wurzel des täuschenden Selbst verschwunden,
ergibt sich alles nach seiner Art von selbst.

Statt sich von diesem und jenem aufreiben zu lassen,
mach einfach im Wald ein gleichmütiges Nickerchen.
Hebe deinen Kopf, schon steht da die Sonne am Himmel.
Schnorre was zu essen, und runter damit!

Willst du tolle Ergebnisse erzielen,
wirst du nur in tiefere Ignoranz verfallen.
Versuchst du es zu greifen, ist es unfassbar.
Lass gehen, und da ist es!

Ich habe nur ein Wort.
Mit diesem sind alle Ideen und Beziehungen vergangen.
Schlaue Erklärungen reichen da nicht ran,
nur der Herzgeist erfasst es.

Dieses eine Wort,
unmittelbar und direkt zum Ausdruck gebracht,
ist kleiner als klein,
ursprünglich ohne Ort und Ziel,
von Anfang an vollständig
und nicht etwa mühsam zusammengeflickt.

Wer sich in weltlichen Sorgen verliert,
ist weit von der Stille der Berge entfernt,
wo Kiefern das Sonnenlicht abfangen
und grüne Flüsse immer weiter fließen.
Unter Glyzinienranken leg ich mich nieder,
bette mein Haupt auf einem weichen Stein.
Die Wolken der Berge sind mein Vorhang,
der Nachtmond mein Kleiderhaken.
Für den Kaiser steh ich nicht auf,
warum sollte ich ihn beneiden?
Nicht einmal Geburt-und-Tod interessieren mich,
was könnte ich da noch betrauern?

Der Mond im Wasser hat keine feste Form.
Ich bin genau so.
Jedes Ding ist genau das, was es ist.
Ursprünglich ungeboren
sitze ich heiter und sorglos.

Der Frühling kommt, das Gras wird von selbst grün.




video by Paul Leeming (Visceral Psyche)
edited by Mark Johansson

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Das Karma und die Liebe

"Es gibt Fälle, da die Ereignisse einander entsprechen; wie will man da behaupten, dass es keine geistigen Kräfte gebe? Es gibt Fälle, da die Ereignisse einander nicht entsprechen; wie will man da behaupten, dass es geistige Kräfte gebe?" 

 (Zhuangzi: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland)

Dies soll, passend zur Weihnachtszeit, ein Beitrag über die Liebe werden ... und warum Karma als Wort für etwas "auf mystische Weise Verbindendes, dessen Ursachen unklar bleiben", seine Berechtigung im Leben von Menschen haben mag - bis wir eine gute Erklärung oder ein besseres Wort dafür finden. 
   Landläufigen Vorstellungen zum Gruppenkarma, zu verdientem Unglück durch Naturkatastrophen etc. hat Bhante Dhammika schon in seinem Blog (auf Englisch) die widerlegenden Stellen aus dem Palikanon entgegengehalten. Ich selbst möchte mich Spekulationen über frühere Leben enthalten, da sie religionsphilosophisch für mich keinen Sinn machen. Über das im buddhistischen Dogma aufgrund der Ursache-Wirkung-Logik überbetonte Denken als Karma, also Folgen fürs eigene Schicksal im Sinne einer moralischen Wertung schaffend, habe ich mich hier oft kritisch ausgelassen: Zu viele unserer Gedanken bleiben tatsächlich folgenlos, während unsere Taten drastische Folgen zeitigen können, selbst wenn wir gar keine diesbezüglichen Absichten hegten. Dennoch gibt es einen Grund für mich, meine eigentlich als transzendent (also - noch - jenseits des Erklärbaren) empfundene spirituelle Erfahrung ("Einsicht in die Natur des Seins") im späten Jugendalter später in anderem, wenig plausiblem, "mystischem" Geschehen gespiegelt zu sehen. Ich ziehe als Beispiel ein Liebesereignis heran, das ich einst im Blog des Unbuddhisten andeutete. Er wies mich kürzlich darauf hin, dass ich dort "vollmundig" Beispiele für Transzendenz (ich denke, das meinte er) angekündigt hatte, und ich erinnere mich, dass ich dies mit einer eher akademischen Sicht aufs Karma garnieren wollte, die mir von hier aus nun schwerfällt, da ich das Material nicht bei mir habe. Es ist andererseits auch nicht wichtig, da man diese Vorkommnisse nennen kann, wie man will, und sie nicht nötig sind, um sich mit Teilen der buddhistischen Lehre anzufreunden oder auch Praxiselemente wie die Meditation zu üben. Sie können jedoch den Blick aufs Leben verändern. Wie sie ihn verändern, das ist eine Frage der Interpretation und Einordnung des Geschehens.
    Vor vielen Jahren ließ ich zu, dass mich Gefühle für eine Frau überkamen, die mir von Anfang an so bewusst waren wie die Unwahrscheinlichkeit einer gelebten Zweisamkeit mit dieser Frau. Es handelte sich im Grunde um eine klassische "amour fou". Mehrere Jahre lang hatten wir sporadisch Sex, ich dachte jeden Tag an sie, schrieb ihr desöfteren zur Erinnerung SMS oder rief kurz an. Dass sie mir falsche Hoffnungen machte, kann ich nicht behaupten. Ich liebte sie, und im Gegensatz zu unerfüllten Liebesgeschichten aus meiner Vergangenheit, in denen es keinen Sex gab, genoss ich die Tatsache, dass er in diesem Fall möglich war. Eines Tages, als sie andeutete, dass es so nicht mehr weiterging, sagte ich ihr unter Tränen, dass ich sie nicht mehr treffen würde. Die sexuelle Beziehung ließ sich nicht in eine echte Partnerschaft wandeln und genügte mir nicht mehr. Ich zog einen Schlussstrich. Bis hierhin ist die Geschichte, die ich natürlich etwas vereinfacht habe, leicht nachzuvollziehen. Was war über die Jahre Seltsames geschehen?
    Zunächst ist mir bekannt, was Statistiker und Experten auf diesem Gebiet zur Wahrscheinlichkeit menschlicher Begegnungen und dem Eintreten absurdester Konstellationen sagen: Irgendwo und irgendwann und irgendwem MUSS dies und das geschehen, selbst wenn es an sich unwahrscheinlich ist. Der Mathematiker David Hand hat dazu kürzlich ein aufschlussreiches Buch publiziert: The Improbability Principle ("Das Unwahrscheinlichkeits-Prinzip"). In meinem Fall allerdings häuften sich unsere "zufälligen" Begegnungen so, dass selbst dieses Prinzip keine sinnvolle Erklärung mehr darstellt. Es gab einen Zusammenhang der Tiefe und Intensität meiner Gefühle für und Gedanken an diese Frau und der Tatsache, dass sich ungeplant unsere Wege kreuzten. Dies hatte zur Folge, dass ich zunächst bei ihr gewisse Ängste bemerkte, ich könnte sie vielleicht verfolgen (auch wenn sie dies nicht aussprach), wobei ich nach einiger Zeit selbst diesen Gedanken hatte, nämlich dass sie es vielleicht auf diese Treffen angelegt hatte. Doch das machte ebenfalls keinen Sinn, da ich oft Orte aufsuchte, ohne jemandem davon zu erzählen.
    So geschah es also nicht nur, dass sie, als ich sie einmal vermisste, plötzlich an einer Ampel neben mir hielt; dass sie aus demselben Zug stieg, mit dem ich vom Mannheimer Filmfest nach Frankfurt fuhr, wo ich stets an sie gedacht hatte; dass sie mir im Auslandsurlaub in einem Kaufhaus übern Weg lief; oder bei einem Straßenfest vor einem Museum stand, als ich das dortige Klo aufsuchte (zuvor hatte ich sie wochenlang vermisst und vergeblich versucht zu erreichen). Die bezeichnendsten Erlebnisse geschahen einmal nach einem aufwühlenden Gespräch, das im Grunde eine Trennung bedeutet hätte. Schlaflos geblieben, lief ich am folgenden Tag zu einer Postfiliale, die ich sonst nie aufsuchte, nur um mich zu bewegen und nicht zuhause zu sein. Prompt traf ich sie an einer Haltestelle an, in einem Viertel, wo ich eigentlich nichts verloren hatte.
   An einem anderen Tag sah ich mir Nalin Pans Film "Valley of Flowers" an. Darin geht es um eine quasi unsterbliche Liebesgeschichte, die dazu führt, dass sich die Liebenden über etliche Reinkarnationen stets neu begegnen. In einer anderen Verfassung hätte ich den Kitsch darin entdeckt, nun aber rannen mir fast den ganzen Film über die Tränen übers Gesicht. Innerlich aufgewühlt ging ich danach zur Bahnhaltestelle, und siehe da, eine Tante meiner Geliebten sah mich und versuchte diese am Telefon, für mich hörbar, zu überzeugen, mit mir zu reden. Wieder geschah dies unmittelbar nach einem an Intensität von Liebesgefühlen und -gedanken nicht zu übertreffendem Ereignis. Ich könnte noch mehr Beispiele ähnlicher Art nennen.
   Nun wird man von Wissenschaftlern wie David Hand, Psychologen und den eigenen Freunden hören, dass man eine Person, an die man dauernd denkt, natürlich auch eher registriert und weniger leicht in der Öffentlichkeit übersieht. Ich habe mich damit abgefunden, dass diese Menschen nur von relativ isolierbaren Geschehnissen ausgehen, jedoch nie eine solche Häufung am eigenen Leib erfahren haben. Den meisten Verliebten genügen schon wenige "Zufälle", um an "Schicksal" zu glauben.
   Als es zur eigentlichen Trennung kam, habe ich nun praktiziert, was ich als Zenbuddhist gelernt habe und was schlicht "Karma abschneiden" heißt. Meine buddhistische Deutung des Geschehens sah so aus, dass mich mit der Frau ein starker Faden verband. Das Durchtrennen dieses Fadens, das Abschneiden dieses Karmas, musste folglich diese Art der Begegnungen gegen Null herunterschrauben, wenn ich damit sozusagen den Gegenbeweis antreten wollte, dass diese Treffen nicht zufällig, sondern steuerbar seien. Dazu musste ich das üben, was wir Loslassen nennen, also die emotional-gedankliche Bindung an diese Frau, auf die ich mich bewusst und mit allen Freuden und Leiden eingelassen hatte, aufgeben.
    Ich will nicht behaupten, dass dies leicht war. Doch ich habe im Bekanntenkreis einen guten Vergleich, wie so etwas laufen kann, wenn man nicht über diese Fähigkeit zum Loslassen verfügt. Einer meiner Kumpel hatte sich in einer nicht unähnlichen Konstellation zum Stalker entwickelt. Unterdessen bemerkte das die Frau, er wiederum wusste, dass ihr das nicht gefiel, sah aber keine bessere Alternative für sich. Dieses klammernde Verhalten habe ich mehr als einmal in meinem Bekanntenkreis beobachtet, und es hat für mich nichts Anziehendes.
    Was aber soll nun meine Geschichte besagen? In Bezug auf das Eingangszitat des Taoisten Zhuangzi will ich zeigen, dass diese von mir als transzendente Erfahrung bezeichnete Liebesgeschichte zwei Seiten hat. Transzendenz im Sinne einer letztlich nicht weiter erklärbaren geistigen (weil durch Gedanken/Gefühle intensivierten und zu physischer Anziehung an diversen Orten führenden) Verbindung zweier Menschen hat nicht nur etwas Faszinierend-Beglückendes, sie enthält auch ein großes Leidenspotential. Transzendenz - und so sehe ich auch eine transzendente spirituelle Erfahrung als den Lebensweg und die Sicht aufs Leben entscheidend verändernd - kann deshalb nicht, wie auch in der buddhistischen Szene üblich, für das Glück eines Menschen stehen oder für andere "positiv" besetzte Kategorien. Was Transzendenz für mich heißt, ist die Existenz von Kräften, die ich mir zunutze machen, die ich anzapfen kann, die mir aber von sich aus wertfrei entgegentreten, die mir nichts versprechen, denen ich quasi egal bin, aber die mir nicht egal sein müssen, der ich das Auge habe, sie zu erkennen. Will ich mich ihnen entziehen, dann kann ich dies mithilfe der Techniken, die im Zen dazu führen, dass eine Gedankenkette (wie sie sich bei anhaftender Liebe ja regelmäßig aufbaut) abgebrochen wird. Der Abbruch der Gedanken führt zur Wirkungslosigkeit jener Kräfte. Je besser die diesbezüglichen Gedanken einfach vorüberziehen können, ohne dass man damit die üblichen Zweifel, Hoffnungen, Ängste verknüpft, desto geringer werden selbst die fulminantesten Kräfte des Schicksals, Zufalls oder Karmas, das Menschen aneinander bindet.
   David Hand hat keine Erklärung für die Häufung solcher Begegnungen, für die magnetische Anziehungskraft zweier Menschen, die sich nicht verabreden oder sogar bewusst aus dem Weg gehen wollen. Ich kenne niemand, der eine plausible Erklärung dafür hätte. Ich habe freilich erfahren, dass  Zen mir Rüstzeug mit auf den Weg gab, um mich a) auf das Erlebnis einzulassen (statt es zu meiden), b) damit fertig zu werden (statt daran zu zerbrechen oder etwa zum Stalker zu werden). Nicht zuletzt ist es darum für mich nach wie vor wichtig, offen für das zu sein, was im Buddhismus gegenseitige Bedingtheit heißt, was im Bild von "Indras Netz" und der mystischen Verbindung all unserer Leben verdeutlicht wird, und was in Gedanken sich so formen kann, dass es sichtbar äußere Wirkungen zeigt, ohne dass diese genau das bringen, was man sich wünscht, aber auch ohne dass sie Glück (Belohnung) oder Unglück (Bestrafung) nach sich zögen. Karma, so wie ich es hier erlebt habe, ist also, wenn man recht damit umzugehen weiß, wertneutral. Beim Karma und bei der gegenseitigen Bedingtheit handelt es sich nicht nur um einen - zumindest in wesentlichen Teilaspekten - vom Individuum aufhebbaren Einfluss, sondern um etwas von an sich leerer Substanz, das mit einer bestimmten Art zu denken steht und fällt. Es ist nicht entscheidend, dass man aufgrund eines bestimmten Gedankens Freud oder Leid erfährt. Sondern: Es handelt sich um eine Art schöpferisches Potential, eine zusätzliche Quelle, die man anzapfen mag, wenn man meint, sein Leben dadurch bereichern zu können. Dies geht in beide Richtungen - im Zulassen einer Verstricktheit wie in deren Auflösung.


Cosplayerin in Bangkok 2014

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Transzendenz
... und Eso-Bullshit aus der Thich Nhat Hanh Sekte


"Wer es wirklich hat, lebt wie ein gewöhnlicher Mensch." 

(Meister Yün-men)


Im Vorgriff auf einen persönlichen Beitrag, der nächste Woche folgt, möchte ich den Ausdruck "Transzendenz" einmal näher beleuchten. Im Allgemeinen gilt als transzendent ("übersteigend"), was außerhalb möglicher Erfahrung oder außerhalb üblicher Sinneswahrnehmung liegt. Das Transzendente richtet sich gewöhnlich zum "Göttlichen" oder etwas "jenseits einer Grenze" hin; sein Gegenstück, das Immanente, bezeichnet das im Endlichen Vorhandene, das "ohne Rückgriff auf Transzendentes Erklärbare". Der Soziologe Niklas Luhmann wies auf das Paradox hin, dass Transzendenz immer nur aus der Perspektive der Immanenz betrachtet werden könne; Transzendenz komme einem Bedürfnis der Sinngebung nach und sei als Kommunikation "immer dann religiös (...), wenn sie Immanentes unter dem Gesichtspunkt der Transzendenz betrachtet". Dies werde ich nächste Woche bewusst tun, wenn auch nur andeutungsweise, denn ich betrachte den "transzendentalen Anschein" [meine Wortwahl] bestimmter Ideen als vorläufig, da sie im Lauf der Zeit in den Bereich der immanenten, rational überzeugenden Erklärungen geholt werden könnten. 
   Außerdem gibt es im Zen eine weitere Vorstellung des Transzendenten, die ich anhand eines Essays von Professor Eshin Nishimura, Zen-Priester und früherer Präsident der buddhistischen Hanazono-Universität in Kioto, erläutern möchte. Er trägt den Titel "Gewahrsein und Transzendenz im Zen" und erschien in: Ninshiki to choetsa 認識と超越, hg. v. Inagaki Fujimaro (Tokio 1981).

Metaphysische Spekulation gelte im Zen als mônen môzô (妄念妄想), täuschendes Denken. Wenn das diskursive Denken an ein Ende kommt und "Erwachen" geschehe, werde tatsächlich der Sinnesbereich erweitert. Es handele sich um einen fortlaufenden Prozess (!) des Erwachens (悟る satoru), nicht einen fixen (悟り satori). Während der eine gelebte persönliche Erfahrung beschreibe, würde der andere zu einer objektivierten "Wahrheit". Die Erfahrung der Zen-Transzendenz würde den Menschen in seiner gegenwärtigen Erfahrungswelt tief in die eigenen Sinne, also die physischen Aspekte des Selbst, verwurzeln, ohne dass er sich zuerst auf ideelle Konzepte verlassen müsse. Das Menschsein würde gewissermaßen transzendiert, nur um es dann in der eigenen konkreten Situation erst zu vervollkommnen. 
   Die Weisheit des Erwachens transzendiere Heiliges und Profanes, Nirwana und Samsara, und in der Übung der Versenkung würden phänomenale Erscheinungen und "Wahrheit" integriert. Erwachen finde damit nur in der Gegenwart statt, als Gewahrsein oder "wahres Verständnis der Soheit der Realität" (如実智見 nyojitsu chiken); Soheit sei äquivalent zu wahrer Leere (真空 shinku) zu verstehen. Die eigentliche Transzendenz kenne zwei Stufen: vom Glauben zur Authentifizierung, von der Spekulation zur gelebten Anwendung (Praxis). Man bewege sich darum nicht auf etwas Objekthaftes wie Leere hin, sondern erfahre subjektiv das Wirken dieser Leere.

Dies also möchte ich an Heilig Abend mit einer Ereigniskette illustrieren, bei der diese Leere in mir wirkte, Erwartungen und Ideen naturgemäß zuwiderlief, einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang bestätigte und doch das Märchen von "gutem" wie "schlechtem" Karma abtat. Indem die Leere als Ist-Zustand angenommen wurde, der wertfrei Leben begründet, wurde ein fortlaufender Erkenntnisprozess vertieft, in dem sich ein befreiend wirkendes Reaktionsspektrum anbot. Hakuin beschrieb dies in Bezug auf Ma-tsus Lehre einmal als "Potential des Handelns". Anderswo heißt dies wohl: immanente Transzendenz.




(Foto: Keller/Werbung für Brust-OPs in Pattaya. 
Vorher oder nachher - welche sind nun schöner?)

***
Und da es ganz gut zu diesem Beitrag passt, weil es den Unterschied der von mir als hilfreich empfundenen Transzendenz zu dem, was Aberglauben ist, verdeutlicht, nun die Auflösung zu meinem Aufruf vom 12. November, eine Weile nur noch Fleisch zu essen.
    Nachdem die Plumvillage-Seite vermeldet hatte, dass Thich Nhat Hanh (TNH) mit einer Hirnblutung in ein Hospital Bordeaux' eingeliefert worden war, bat man von dort, einen Tag pro Woche auf Fleischgenuss zu verzichten und die so gewonnenen Energien gen Bordeaux zu lenken. Um diesem Bullshit, der noch einmal den absolut flachen Erkenntnisstand der TNH-Sekte belegt, zu konterkarieren, rief ich also zum Fleischgenuss auf. Denn was folgt daraus?
   a) TNH stirbt, dann müsste ein Abergläubiger denken, dass Fleischgenuss mehr wirksame Energie erzeugt als Vegetarismus.
  b) TNH wird wieder einigermaßen hergestellt, dann könnte man dennoch behaupten, es habe an den Energien infolge des Fleischgenusses gelegen (zumal dieser Aufruf ja erst nach dem offenbar bis dahin nutzlosen zum fleischfreien Tag erfolgte). 
    Wie auch immer, aus dieser billigen Nummer lasse ich sie nicht mehr raus. 
   Und wo bleibt da das Mitgefühl? DAS ist Ausdruck des Mitgefühls. Zen heißt Illusionen nehmen. Möge noch der letzte Verblendete aus dem Plumvillage-Umfeld endlich aufwachen! 
   Zu der alten Strategie der Sekte gehört natürlich auch, irgendwelche wundersamen Fähigkeiten dem Meister zu unterstellen. So behaupteten TNHs Ärzte angeblich, sie würden "einem Wunder beiwohnen", was seinen Zustand angeht (mir jedoch berichtete ein Arzt, alle von Plumvillage geschilderten Vorgänge seien völlig "gewöhnlich"). Diesen Wundergläubigen sei gesagt, dass es tatsächlich der heilige Autor des Herzsutras sein könnte, der TNH gerade in die Dämmerung verbannt, weil der Nicht-Zen-Meister kürzlich meinte, dieser Autor sei unfähig gewesen, sich klar genug auszudrücken, und daraufhin seine eigene Version des Herzsutras veröffentlichte. Nennt man so etwas bei Euch etwa nicht Karma? 
   Unterdessen erdreistete sich TNHs Frau Chan Khong, diesen vor dem Vatikan nicht nur als "Zen-Meister" zu bezeichnen (womit jeder Verdacht ausgeräumt ist, diese Bezeichnung würde nur von außen an ihn herangetragen), sondern auch eine nichtssagende Ansprache zum Menschenhandel zu halten, die schnell in das übliche Gesülze abdriftete ("joy", "healing", "nourishment", "happiness"). Davor vergaß sie aber nicht den üblichen Fehler, auf die Bemerkung hin, Kontemplation müsse von Handeln begleitet werden, dieses Handeln mit religiöser Praxis gleichzusetzen. 

Eine Bemerkung legte am Ende noch nahe, weshalb eine Gemeinschaft wie Plumvillage so wichtig sei (und ihre Strategien, Menschen Geld und Eigeninitiative abzusaugen). TNH sprach durch Chan Khong davon, dass man die Arbeit des Mitempfindens und Verständnisses nicht als "lone warrior", als einsamer Krieger, verrichten solle. Seit Gründung meines Verlages habe ich hingegen darauf Wert gelegt, die Botschaft der Samurai und der alten Zen-Haudegen zu verbreiten, dass du selbst es bist, der den Unterschied macht, und dass diese Überzeugung wesentlich ist. 

Heute hat das Freudenmädchen, von dem ich hier schon berichtete und dessen kleinen Hausstand ich noch beherberge, beschlossen, sich aus ihrer Sexarbeit zunächst zurückzuziehen und ihr inzwischen drittes Kind bei ihrer Mutter auf dem Land groß werden zu lassen und nicht zur Adoption in die USA wegzugeben. Von dort aus betreibt eine von vier in Thailand dafür zugelassenen Organisationen ein weltweites Geschäft mit milliardenschweren Umsätzen. Diese Organisation behauptet tatsächlich, dass amerikanischen Paaren für ein zu adoptierendes Kind zwölftausend Dollar allein wegen der anfallenden Kosten in Thailand abzuknöpfen seien (das Doppelte kommt mit allen anderen Kosten in den USA zusammen, ohne Flüge u. ä.). Doch ratet mal, wer die letzten zwei Monate das Babi Mild bezahlte ...

Auch so erledigt sich Menschenhandel.   
   

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Best of Chih-i: Anhalten und Sehen

Der Tien-tai-Mönch Chih-i (538-597) beeinflusste mit seinem erstaunlich komplexen Hauptwerk Mo ho chi kuan ("Anhalten und Sehen") auch das Zen und den Reines-Land-Buddhismus. Er beschäftigt sich darin vor allem mit der auch im frühen Zen propagierten Methode des "Anhaltens von Gedanken". Ich empfehle das Werk ausdrücklich philosophisch Interessierten. Hier einige von Chi-is interessantesten Einsichten und eine Beschreibung seiner Meditationsmethode.

"Die Ursache hat kein Zeichen von Verbindung, Ursache und Wirkung sind leer. Wie könnten die Leere der Ursache und die Leere der Wirkung eine Verbindung eingehen? Dies gilt auch für Begierde, Wut und Täuschung. Der Weg kennt keine Zweiheit, es gibt kein Heilmittel und nichts zu heilen. Da es in der Leere niemanden gibt, wie könnten da zwei sein. Da die Dinge ursprünglich nicht so sind, sterben sie auch nicht aus. Nicht so, kein Verlöschen - dies sind die vier geburtslosen Wahrheiten."

"Da das Leiden selbst leer ist, sollte man nicht wie ein dummer Affe nach dem Mond im Wasser greifen. Da der Weg selbst leer ist, sollte man nicht sagen: 'Ich praktiziere Leere' oder 'Ich praktiziere nicht Leere'. Es ist wie mit der Metapher vom Floß - selbst die Lehre sollte zurückgelassen werden, erst recht das, was der Lehre widerspricht. Da Verlöschen selbst leer ist, sollte man nicht von fühlenden Wesen und Leben reden - wer verlischt denn hier und erfährt Verlöschen? Da der Zyklus von Geburt und Tod leer ist, wie kann er da abgeworfen werden? Da Nirwana leer ist, wie kann es da erlangt werden?"

"Beobachte einfach das gegenwärtige Entstehen des Geistes in Beziehung zu den Sinnesorganen und ihren Eindrücken. Das Entstehen des Geistes ist bedingt, und seine Begriffsbildung ist die Grundlage von Täuschung und Verständnis."

"Die 'Schrift über den verborgenen Schatz des Erleuchteten' sagt: 'Wenn der eigene Vater ein Erwachter ist und jemand ihn tötet, oder wenn jemand stiehlt, was den Drei Schätzen angehört, oder wenn die eigene Mutter eine Heilige ist und man sie beschmutzt, oder wenn man den Buddha verleumdet oder die Gemeinschaft der Weisen durch Doppelzüngigkeit oder üble Nachrede verunglimpft oder spaltet, oder wenn man die behindert, die nach Wahrheit suchen, oder aus Feindseligkeit abscheuliche Verbrechen begeht, aus Gier das Eigentum anständiger Menschen usurpiert, oder extreme Ansichten hegt - dann sind das die zehn übelsten Handlungen. Wenn aber jemand versteht, dass bedingte Phänomene, wie es der Buddha erklärte, kein Selbst, keine Person, keine Seele, kein Leben, keine Geburt, keine Zerstörung, keine Beschmutzung, keine Loslösung kennen und ursprünglich rein sind, und wenn jemand ins Verständnis der wesentlichen Reinheit aller Phänomene eindringt, dann kann ich nicht sagen, ein solcher Mensch würde in die Hölle fahren oder in unglücklichen Umständen enden. Warum? Die Phänomene kennen keine Ansammlung, auch keine Ansammlung von Leiden; nichts wird geboren, nichts bleibt. Weil sich Bedingungen vereinen, entstehen die Phänomene, dann vergehen sie. Wenn der Geist nach seinem Entstehen vergeht, dann auch alle Fesseln und Zwänge. So versteht man: Da kann kein Übertreten sein, nichts bleibt. Es ist wie mit einer Lampe, die man in einem dunklen Raum anzündet: Die Dunkelheit kann keine Ansprüche über den Raum anmelden und sich nicht weigern zu verschwinden, nur weil sie so lange dort herrschte. So bald die Lampe angezündet wird, verschwindet die Dunkelheit."

"Andauernd Versenkung zu praktizieren heißt Sehen. Das Verschwinden anderer Gedanken heißt Anhalten."

"Im Kleinen Fahrzeug wird der Weg, Ansichten zu überwinden, 'Abschneiden' genannt, doch erst das Überwinden jeglicher Gedanken heißt: Unterwerfen."

"Es bedeutet, nicht den Weg zu praktizieren, doch auch nicht nicht den Weg zu praktizieren. Dies nennt man das rechte Verweilen im Reich der Leiden. (...) Die fünf Vergehen sind nichts anderes als Erleuchtung, die fünf Vergehen und Erleuchtung sind nicht-dualistisch."

"Menschen, die das Anhalten und Sehen nicht kultivieren können, empfiehlt der Buddha Tugenden als den Weg."

"Anhalten und Sehen des Geistes, aufrecht sitzen, auf rechte Weise achtsam sein - so klärt man ein falsches Bewusstsein und täuschende Gedanken. Denkt nicht beliebig, greift nicht nach den Erscheinungen, konzentriert euch auf das Reich der Wirklichkeit. Ein konzentrierter Gedanke an dieses Reich der Wirklichkeit bedeutet Anhalten, und der eine Gedanke ist Sehen. Wenn ihr glaubt, dass alle Phänomene die Lehre Buddhas sind, dann gibt es kein Vorher oder Nachher, dann sind da keine Grenzen mehr. Es gibt keinen Wissenden, keinen Sprechenden. Wenn kein Wissen und Sprechen da ist, dann ist dies weder existent noch nicht-existent. Man ist weder Wissender noch Unwissender, abseits dieser Extreme verweilt man dort, wo es nichts zu verweilen gibt, so wie die Buddhas im stillen Reich der Wirklichkeit weilen. Habt keine Angst vor dieser tiefgründigen Lehre. Dieses Reich der Wirklichkeit wird auch Erleuchtung genannt, oder das unfassbare Reich. Man nennt es auch Weisheit, oder nicht geboren zu sein und nicht dahinzuscheiden. Alle Phänomene sind nichts anderes als das Reich der Wirklichkeit. Wenn jemand Buddha sieht, dann hält er Buddha nicht für Buddha. Da ist kein Buddha, der Buddha wäre, und es gibt kein Buddha-Wissen, um Buddha zu erkennen."

***

Yung-chia Hsüan-Chio (665-713) war ein in den Schriften bewanderter Zen-Meister, der von Chih-is Lehre vom "Anhalten und Sehen" beeinflusst wurde. Er beschrieb Wege oder Stufen der Versenkung, von denen die letzte so lautet: "Beim zehnten Weg wird die mystische Quelle identifiziert. Diejenigen, deren Geist erweckt wurde, werden nicht von der Versenkung in die Falle gelockt, ihnen entgeht also nicht die wahre Bedeutung von Worten. Wer in der Doktrin des Buddhismus geschult ist, dem sind Worte kein Hindernis bei der Erkenntnis der Wirklichkeit. Wenn nämlich die Wirklichkeit erkannt ist, ist der Widerstand der Worte gebrochen - was gäbe es da also noch zu diskutieren? Wenn Bedeutung offenbar wird, ist das Treiben des Geistes beendet - was könnte Versenkung denn noch erreichen? Worüber wir nicht nachsinnen können, was wir nicht mit Worten ausdrücken können, das ist in der Tat die Essenz des Tao."

Literaturempfehlung:
Thomas Cleary: Stopping and Seeing. A Comprehensive Course in Buddhist Meditation. (Boston 1997)

[Foto: Keller/Central World Bangkok]

Mittwoch, 3. Dezember 2014

PHOWA, Bhutan und Buddhistische Apps

Aktuell! Eine email-Anfrage erreichte mich, sie bezog sich auf Phowa. Ich will sie Euch so wenig vorenthalten wie meine Antwort, damit nicht noch mehr Leute auf das Geschwätz der Ole Nydahl-Fraktion und des Dilgo Khyentse hereinfallen, auf den ich im zweiten Teil dieses Beitrages weiter eingehe. Zunächst die Anfrage:

"Ich beziehe mich auf Beiträge in Ihrem ASSO BLOG.
Sie äussern sich wohltuend sehr kritisch über OLE NYDAHL und
insbesondere zur PHOWA-Praxis.
Sie scheinen sich damit auszukennen und scheinen der Einzige im
deutschsprachigen Internet, der diese Praxis kritisiert.
Könnten Sie Auskunft darüber geben :
Was hat es genau auf sich mit dieser “Magie” ?
Kann man TATSÄCHLICH vom Meditieren ein äusserliches Zeichen bekommen,
ohne dass jemand “nachhilft” ? (Loch im Kopf, Blut etc.)
Das beunruhigt mich ziemlich…
Vielen Dank für einen Hinweis !"

Meine Antwort, leicht überarbeitet:



Hallo Pietro (oder wer auch immer dahinter steckt),

wenn man so viel sitzt, wie es Dôgen für nötig gehalten haben soll, dann bekommt man wahrscheinlich Hämorrhoiden, und dann blutet man vielleicht irgendwann aus dem Arsch. Ein gewisser Lama hält sowas dann für ein Zeichen der Erleuchtung. Der Mediziner wird es sinnvoller erklären. 

Die äußerlichen Zeichen, die man vom langjährigen Meditieren bekommt, sind je nach Ausmaß Gehstörungen infolge von Schäden im Knie, eine möglicherweise dennoch aufrechtere Haltung - aber keine Löcher außer den neun, die man sowieso schon hat (was ja selbst der Buddha wusste). 

Auch wenn das modern klingen mag: Im Palikanon wurde der Sitz des (Lebens-)Geistes ja gar nicht im Kopf oder Hirn lokalisiert.

Bitte hier klicken: Zum fehlenden Fontanellen-Verschluss bei Erwachsenen (2. Beitrag: "ab und zu findet man auch noch bei Erwachsenen unverschlossene Fontanellen") ... Siehe desweiteren das "Inkabein"*, das gehäuft bei Tibetern und Ostasiaten auftritt.

Die von den Phowa-Anhängern als exklusiv verkauften Effekte sind ein typisches Beispiel von fehlendem medizinischem Wissen und gedanklicher Manipulation, und sie sind wissenschaftlich nicht bewiesen (man zitiert gern eine pseudowissenschaftliche Schrift). Das Entscheidende ist jedoch, dass es sich bei nüchterner Betrachtung um völlig unsinnige Effekte handelt, die niemandem irgend etwas bringen als einen Ego-Kick, also das Gegenteil von dem, was der Dharma bezwecken will. Wer immer sich so etwas ausgedacht hat, der war also zu dumm, um dies zu bemerken. Siehe die köstlichen Beschreibungen im Folgenden, etwa den Dilgo Khyentse, der einem toten Tier den Schädel wegmeditierte, dass nur so die Soße raustropfte (er konnte diese Lust nicht im Kino bei Splatterfilmen ausleben, die gab's in seiner Gegend nicht): http://www.gutefrage.net/frage/phowa-beim-buddhismus-

Wünsche gute Unterhaltung! 

g.

P.S.: Die ernstere Seite wäre Phowa als Vorbereitung auf den eigenen Tod zu sehen, als Auseinandersetzung damit. Ich persönlich glaube nicht daran, dass man sich auf etwas vorbereiten kann, dass einmalig ist und unvorhersehbar und von dessen genauem subjektivem Verlauf einem keiner erzählen kann (weil er ja danach tot ist). Das ist nur eine andere Form der Illusion und Selbstbetrug. Man bereitet sich üblicherweise ja auf Dinge vor, die man a) hinreichend einschätzen, b) reproduzieren kann. Das ist beim eigenen Sterben nicht möglich, also ist Phowa einzuordnen in die menschlichen Versuche, sich Trost zu verschaffen bzgl. des Unvermeidbaren. 

Es ist eigentlich wurscht, wie man stirbt. Das ist auch der Grund, warum Zweifel an Dôgens Erkenntnistiefe berechtigt sind. Auch er hat das Unvermeidbare zuweilen überschätzt. 

Aus religionsphilosophischer Sicht ist eine Bewusstseinsübertragung über den Tod hinaus ein Widerspruch zu den jhana und dem Stadium des Erwachtseins, das einen ja dem Samsara mit der zwölfgliedrigen Kausalkette enthebt - und damit der in den nidana behaupteten Notwendigkeit, dass aus Bewusstsein Form wird. Ist die Leere des Bewusstseins realisiert, hat sich jede Übertragung und Transmigration von selbst erledigt.

[* Wikipedia bitte kritisch lesen, inbesondere bei Einträgen zu religiösen Personen.]

***

Und nun schauen wir mal, was ich so auf meinem Kindle Fire an Apps finde, wenn ich "Zen" oder "Buddhismus" eingebe. Die Lustigste ist "Zen and Satori", die den User zu Vogelgezwitscher und Grillengezirpe auffordert, eine vorgegebene, wählbare Anzahl von Sekunden im Geiste mitzuzählen und nach deren Ablauf einen Button zu drücken. Liegt man daneben, gibt es Haue mit dem Kyosaku vom zornesroten Meister!
   Sehr aktiv sind die englischsprachigen "Bhutan News", die sich aus verschiedenen Quellen speisen und ihre Sache ernst nehmen, was man bei Meldungen wie der vom 9.8. - "Trashigang (sic!) police nabs woman for abondoning her newborn child" zunächst übersehen könnte, ob der exotischen Orts- und Personennamen. 
   Schon 68 Selbstmorde dieses Jahr im Lande des Bruttosozialglückes, lese ich da, oder vom Boom des Naturheilmittels Cordiceps. Am meisten interessieren mich jedoch das Ausmaß der Verbrechen (gibt es) und Lehrtätigkeiten. Beispielhaft greife ich mal einen interessanten Vortrag von Dilgo Khyentse Yangsi Rinpoche heraus, von dem am 21.8. berichtet wurde. "Buddhismus ist Leben, nicht Religion", war er übertitelt. Dilgo kritisiert hier die Vermarktung des Buddhismus zu Profitzwecken und stellt Buddhas Lehre dagegen als "Antibiotikum, das den Geist aufräumt". Das Studium des Buddhismus würde die eigene Mentalität neu konstruieren, ebenso wie die Lebensweise und die Art, wie man Dinge anpacke. Man solle den Buddhismus studieren und praktizieren, statt religiöse Texte zu horten. Der Dilgo meint jedoch auch, die Wissenschaft habe viele buddhistische Lehren bestätigt [doch wie viele hat sie widerlegt?] und der Buddhismus sei die Antwort auf all unsere Fragen [???]. Der Geist sei "sehr gefährlich, die tödlichste Waffe im Universum", es seien "nicht die Phänomene, sondern der Geist, der den Schaden anrichte". [Ich stelle mir gerade vor, wie der Dilgo versucht, ein Ebola- oder Grippevirus davon zu überzeugen.] Auch der Dilgo verweist auf die Selbstmordrate in Bhutan und darauf, dass Tiere so etwas nicht täten [dies wurde jüngst von Delfinexperten widerlegt, im gewissen Sinne spricht auch die "Darwinian extinction", der evolutionäre Selbstmord gegen diese These] und "wir nirgendwo Leben kaufen können" [diverse gekaufte Leihmutterschaften in Thailand gingen gerade auch durch die deutsche Presse, der reiche, junge Japaner, der hier ein Dutzend Kinder austragen ließ, wurde u.a. verdächtigt, diese womöglich für Organ-Experimente in Japan heranzuziehen]. 
   Wenn der Dilgo seinen Geist anschaue, sagt er, dann käme ihm manchmal das Kotzen. Ich denke, das können wir nun nachvollziehen. Vor allem, wenn wir vom Programm der "ethnischen Homogenisierung" Bhutans erfahren, dass ein Sechstel der Bevölkerung des Landes verwies.

Nach Bhutan werde ich wohl nie reisen, denn was der Dilgo kritisiert, die Kommerzialisierung des Buddhismus, hat sich seine Regierung zur Grundlage ihres Bruttosozialglückes gemacht: eine handverlesene Auswahl von Touristen, von denen die Ausgabe eines stattlichen Mindestbudgets erwartet wird. Dazu kommt also noch die Vertreibung von ethnischen Minderheiten. Bei so viel Hohn auf die Buddhalehre vergeht mir die Reiselust.
   Ein korruptes und psychisch tief verstörtes Land, das anders mit Besuchern umgeht, ist Kambodscha. Dort bekommt man ein Jahresvisum, indem man schon bei der Einreise ein Businessvisum für einen Monat beantragt (kostet 5 Dollar mehr als das für Touristen) und dazu irgendeine Geschäftsidee angibt; nach Ablauf desselbigen kann man die Umwandlung in ein Jahresvisum vornehmen (ca. 280 USD). Ich habe hier schon einige Kritik an politischen Maßnahmen und geistig-moralischer Tieffliegerei diverser Entscheider und Hilfsorganisationen in Kambodscha geübt. Was aber den Charme dieses Landes ausmacht, hat Marco Santi, ein talentierter Filmemacher, in folgendem Kurzfilm eingefangen.



Falls Ihr selbst interessante Apps mit Buddhismusbezug gefunden habt, könnt Ihr Eure Tipps im Kommentarbereich hinterlassen.

Mittwoch, 26. November 2014

Weisheiten von Zen-Meistern II: Foxin Bencai und Man-an

Aktuell: Thien Son meint wohl, er sei der neue Thay, noch ehe der alte verbrannt ist, trägt jetzt offenbar ein weißes Totenhemd und macht einen auf Dzogchen. Inwiefern Gebete helfen - wie auf der Startseite von Buddhas Weg empfohlen - werde ich bald noch erörtern. Ich zitiere einstweilen einen Autokinobetreiber: "Da hilft kein Mobilat mehr."

Ich finde, dieses Orange stünde ihm besser, wie sie es in amerikanischen Knästen tragen. Dann wäre er auch optisch dem Punnaratana näher.

***

"Was bedeutet Erwachen? - Den Geist zu verstehen, wie er ist."

Meister Foxin Bencai (11. Jh.):

"Nun kannst du die Dinge wenden, ohne dich von Sinnesorganen und Objekten entfremdet zu fühlen. Du nimmst auf, was zur Hand ist, und wechselst die Rollen von Gastgeber und Gast. Das Auge des Universums ist klar, Gegenwart und Vergangenheit sind erneuert. Die spirituelle Fähigkeit direkter Wahrnehmung wird erlangt. Darum sagte Vimalakirti: 'Ein aktives Leben zu führen, ohne aus dem Versenktsein im Erlöschen [des wertenden Denkens] aufzutauchen, dies wird stilles Sitzen genannt.'"


Meister Man-an (17. Jh.):

"Selbst wenn du spirituelles Licht erzeugen und die Atmosphäre verändern kannst, selbst wenn du Geister und wilde Tiere bezähmst und im Sitzen oder Stehen sterben kannst, ja selbst wenn du tugendhaft genug bist,  Königen und Fürsten ein Lehrer zu sein und ein wiedergeborener Buddha genannt wirst - solange du nicht Reichtum, Wollust, Ruhmsucht und Gewinnstreben aufgibst, kannst du kaum als einer betrachtet werden, der die wahre Achtsamkeit aufrechterhält."

"Diese rechte Achtsamkeit bedeutet, an nichts zu denken. Konzentration heißt, keine geistigen Bilder zu ersinnen. Zen-Meister Dôgen sagte: 'An das zu denken, was nicht denkt, ist die wesentliche Art der Sitzmeditation.'"

"Du solltest am Wundersamen nicht anhaften."

"Was immer du tust, stelle mit ganzem Herzen den inneren Meister in Frage, der wahrnimmt, begreift und fühlt."

"Die Konzentration der rechten Achtsamkeit sollte inmitten von Aktivitäten geübt werden. Es ist nicht nötig, die Stille vorzuziehen. Es gibt eine Neigung, die Zenübung unter Bedingungen der Zurückgezogenheit für effektiver zu erachten, doch die Kraft, die daraus erwächst, ist ungewiss in Bezug auf Alltagssituationen; es steckt etwas Feiges und Schwaches darin. Wie kann man dies Ermächtigung nennen?
   Die Konzentration rechter Achtsamkeit ist ein Zustand des Verschmelzens, rund um die Uhr, ohne dass sich einer dessen bewusst ist. Die Arbeit erschöpft dich nicht, und auch wenn du alleine bist, wird dir nicht langweilig. (...)
   Darum sollen die Schüler des Mystischen den Weg inmitten der materiellen Welt praktizieren. 
   Der dritte Patriarch sagte: 'Wenn du den Weg der Einheit gehen willst, wende dich nicht von den Objekten der sechs Sinnesorgane ab.' (...) - d.h. die Sinnesobjekte im Alltag weder ergreifen noch ablehnen, wie eine Ente, die ins Wasser geht, ohne sich die Federn nass zu machen.
   Wenn du klar die Essenz erkennst, dann sind die Sinnesobjekte selbst Meditation, sinnliche Begierden sind selbst der Weg der Einheit und alle Dinge sind Manifestationen der Wirklichkeit. Die große Zen-Festigkeit erlangend, die weder von Bewegung noch von Stille geteilt ist, sind Körper und Geist befreit und erleichtert."

"Der dritte Zen-Patriarch sagte: 'Wenn du versuchst, die Bewegung anzuhalten und in der Stille zu verweilen, dann wird dieses Anhalten noch mehr Bewegung erzeugen.' Wenn du versuchst, wahre Soheit durch das Auslöschen zufälliger Gedanken zu erlangen, dann schlägst du nur auf deinen Lebensgeist ein, minderst deine geistige Kraft und wirst krank - du wirst abgelenkt und in eine Grube von Verwirrung fallen.
   Die beiden Methoden des Erlöschens und Beobachtens ("cessation and observation") solltest du zur Disziplin, Konzentration und Einsicht anwenden. Erlöschen ist Zen-Konzentration, Beobachen ist Einsicht. Beim Erlöschen sind Geist, Intellekt, Bewusstsein inaktiv, verhindern jedes Fehlverhalten und schneiden die Wurzel unbewusster Zwänge ab - da gibt es kein Übertreten der Regeln, ob großer oder kleiner. Beim Beobachten besteht kein Anhaften an Verhaltensweisen, alle Gedanken vom Selbst und den Dingen sind entleert, Hindernisse durch Gewohnheiten sind beseitigt, das spirituelle Licht des essentiellen Selbst scheint überall, innen wie außen.
   Es gibt kein Erlöschen ohne Beobachten und kein Beobachten ohne Erlöschen. Indem die beiden Wahrheiten der Leere und des bedingten Entstehens verbunden sind, ist die tiefe Wahrheit des Mittleren Weges begründet."

"Wenn wir die Welt betrachten, so gehen mehr Menschen an irrigen Gedanken zugrunde als an Krankheiten."

"Wenn du einfach furchtlos mit konzentrierter Achtsamkeit ins Leben eintauchst, dann wandeln sich Schmerz und irrige Ansichten zu einer Masse an tatkräftigem Geist und werden zur einheitlichen Arbeit auf dem Weg."

"Selbst wenn großes Erwachen geschehen und der Körper der Wirklichkeit begriffen ist, wird der Buddha-Weg nicht manifest, solange du von Übung und Erleuchtung beschmutzt bist. Du solltest verstehen, dass es etwas gibt, was jenseits des Jenseitigen ist."

"Es ist wichtig zu wissen, dass es jenseits des Erlangens noch Übung gibt und der Weg des lebendigen Zen durch versteckte Praxis und geheimes Anwenden zu erhalten ist."


(Mönchsprozession in Pattaya, Foto: Keller)

Mittwoch, 19. November 2014

Best of Pai-chang (Hui-hai)

 (Aktueller Hinweis: Ajanta - älteste buddhistische Gemälde restauriert)

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Pai-chang Hui-hai (720-814), dem man nach seinem Tod den Ruf als Reformer des Klosterlebens andichtete, glaubte einige seltsame Dinge, z. B. dass die Verachtung anderer, die man erntet, die karmischen Wirkungen eigenen Fehlverhaltens aufheben könne. Auch auf Jäger und Fischer sah er ein wenig herab. Dies und die Tatsache, dass sich im Laufe meiner Übersetzungen viele Themen in den Schriften von verstorbenen Zenmeistern der vergangenen Jahrhunderte wiederholten, führte dazu, dass ich zuletzt einige nur noch selektiv ins Deutsche übertrug. Hier also nun bemerkenswerte Einsichten von Pai-chang, dessen Klassiker "Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen" von mir vor 16 Jahren über die Todesanzeige meines Vaters gesetzt wurde, der ebenfalls ein Schaffer war.

***

"Was Gier und Abneigung genannt wird, wenn einer noch nicht erwacht und nicht befreit ist, das heißt erleuchtete Weisheit nach dem Erwachen. Darum sagt man: 'Er ist von dem Mensch, der er vorher war, nicht verschieden, doch sein Handeln ist anders ausgerichtet.'"

"Wenn der Geist nicht getrübt ist, dann gibt es keinen Grund, Buddha, Erleuchtung oder das Verlöschen des Leidens zu suchen."

"Das Nirwana-Sutra spricht von drei üblen Begierden: die erste ist die Begierde, von Mönchen, Nonnen und anderen Anhängern umgeben zu sein; die zweite die Begierde, jeden Menschen zu seinem Anhänger machen zu wollen; die dritte die Begierde, bei jedermann als Weiser und Heiliger bekannt zu sein."

"Wenn du den Buddha oder Erleuchtung suchst, ja, irgendetwas Existentes oder Nicht-Existentes, dann nennt man das: Scheiße hinein- und nicht hinaustragen!"

"Andere retten heißt: weder Buddhas noch Bodhisattvas lieben noch von der Gier nach irgendetwas Existentem oder Nicht-Existentem getrieben werden."

"Wenn man tief in sich überhaupt nichts sucht und überhaupt nichts erlangt, dann kann man ein großer Spender genannt werden."

"Am wichtigsten ist, zwei Augen zu haben und die Angelegenheiten beider Seiten zu durchleuchten. Die Göttin des Reichtums und das Mädchen der Dunkelheit begleiten einander, ein weiser Gastgeber lässt keine von beiden ein."

"Manjushri sagte: 'Der Geist ist wie leerer Raum, darum kann respektvoller Gehorsam sich auf nichts beziehen, die tiefgründigste Schrift weder gehört noch angenommen noch erhalten werden.'"

"Ein Buddha ist von fühlenden Wesen nur insofern verschieden, als er frei ist, zu gehen oder zu bleiben. Von Buddha-Feld zu Buddha-Feld zu gehen ist die ständige Übung der Erwachten."

"All die zahlreichen Dinge haben nie von sich aus von Leere gesprochen, von Form, von richtig und falsch, Beschmutzung oder Reinheit."

"Ein Buddha ist einer, der nicht sucht. Suche dies, und du wendest dich ab. Das Prinzip ist das des Nicht-Suchens. Suche es, und du verlierst es. Wenn du aber am Nicht-Suchen hängst, ist das genau wie Suchen; hängst du am Nicht-Tun, ist das wie Tun."

"Frage: 'Die Asketen von heute, die die Gebote empfingen, sind rein in Körper und Rede. Erlangen sie Befreiung oder nicht?'
   Pai-chang sagte: 'Ein klein wenig Befreiung. Doch sie haben noch nicht die Befreiung des Geistes und die Befreiung an allen Orten erlangt.'
   Frage: 'Was ist diese Befreiung des Geistes und an allen Orten?'
   Pai-chang erwiderte: 'Suche nicht nach Buddha, suche nicht nach Dhamma, suche nicht nach der Sangha. Suche keine Tugend, kein Wissen, kein intellektuelles Verständnis usw. Wenn die Gefühle von Beschmutzung und Reinheit beendet sind, hänge dich dennoch nicht ans Nicht-Suchen, halte dich nicht an einem Endpunkt auf, sehne dich nicht nach dem Paradies und fürchte die Hölle nicht. Wenn du sowohl von Fesselung wie Freiheit unbehindert bist, dann wird das die Befreiung von Körper und Geist an allen Orten genannt. 
   Du solltest nicht behaupten, ein wenig Disziplin zu haben, oder Reinheit von Körper, Rede und Geist, und das für hinreichend halten. Weißt du nicht, dass die unzähligen Tore von Disziplin, Konzentration, Weisheit und unnachgiebiger Befreiung nie auch nur mit einem einzigen Haar in Verbindung gebracht wurden?"

***
"Weise suchen beim Geist, nicht beim Buddha. Narren suchen beim Buddha, nicht beim Geist."

"Frage: 'Mit welchen Mitteln kann man das Tor unserer Schule durchschreiten?'
   Pai-chang: "Durch dana paramita; dana bedeutet Verzicht: Verzicht auf den Dualismus der Gegenteile.'"

"Frage: 'Das Mahaparinirvana-Sutra sagt: 'Ein Übermaß an Versenkung (dhyana/ting) über Weisheit (hui) verschafft keinen Ausweg aus ursprünglicher Unwissenheit (avidya), während ein Übermaß an Weisheit über Versenkung dazu führt, dass man falsche Ansichten anhäuft. Wenn Meditation und Weisheit ausgewogen sind, sprechen wir von 'Befreiung'. Was ist damit gemeint?'
   Pai-chang: 'Weisheit meint die Fähigkeit, alle Arten von Gut und Böse zu unterscheiden. Versenkung bedeutet, in diesem Unterscheiden gänzlich unberührt von Zu- oder Abneigung zu sein. (...) Leer zu sein heißt frei von Anhaften zu sein, und diese Losgelöstheit macht das gleichzeitige Wirken von Weisheit und Versenkung möglich.'" 

"Die Buddha-Gebote beinhalten die vollständige Reinheit des Geistes. Wenn jemand diese Übung der Reinheit unternimmt und völlig unbewegt von sinnlichen Eindrücken bleibt, dann ist er ein Mensch, der die Buddha-Gebote einhält."

"Frage: 'Was ist die Meisterschaft im Lehren, aber nicht in der Übertragung?'
   Pai-chang: 'Sie bezieht sich auf Worte, die nicht mit Taten übereinstimmen.'
   Frage: 'Und was ist die Meisterschaft in der Übertragung und im Lehren?'
   Pai-chang: 'Sie beschreibt Menschen, deren Worte von ihren Taten bestätigt werden.'"

"Frage: 'Was ist mit dem Erreichbaren, das noch nicht erreicht wurde, gemeint, und was mit dem 'erreichten Unerreichbaren'?'
   Pai-chang: 'Mit dem Erreihbaren, das noch nicht erreicht wurde, ist die Rede gemeint, die nicht von Taten gestützt wird. Mit dem 'erreichten Unerreichbaren' sind Taten gemeint, die die Rede nicht wiedergeben kann. Erlangen Rede und Taten das Ziel, ist dies 'vollständiges Erreichen' oder 'doppeltes Erreichen'."

"Frage: 'Was bedeutet 'Der Buddha-Dharma löscht weder das Weltliche (yu wei) aus noch versinkt er im Morast des Transzendenten (wu wei)?'
   Pai-chang: 'Der erste Ausdruck bedeutet, dass der Buddha nie ein Phänomen ablehnte, vom Anfang seiner Suche bis zum Erwachen unter dem Bodhi-Baum und seinem Eintritt ins Parinirwana unter den Sala-Bäumen. Dies ist das 'Nichtauslöschen des Weltlichen'. Der zweite Ausdruck besagt, dass er trotz der Abwesenheit von Gedanken dies nie als Erlangen ansah, dass er trotz des Erreichens immaterieller und nichtaktiver Weisheit und des Nirwana diese Zustände nie als Errungenschaft betrachtete. Das ist gemeint mit 'nicht im Morast des Transzendenten versinken'."

"Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Berühren sind die fünf Stadien des Bewusstseins, die vervollkommnende Weisheit darstellen. Der Intellekt ist das sechste Stadium des Bewusstseins und wird zu tiefgründiger beobachtender Weisheit. Unterscheidende Achtsamkeit, das siebte Stadium des Bewusstseins, wird zu universeller Weisheit. Das Speicherbewusstsein (alaya) als achtes Bewusstsein wird zur großen Spiegelweisheit."

"Reinheit gilt für einen Geist, der bei nichts verweilt. Dies ohne das Auftauchen irgendeines Gedankens an Reinheit zu erlangen, wird 'Abwesenheit von Reinheit' genannt. Gleichzeitig bedeutet dieses Erlangen ohne einen Gedanken daran, frei von dieser Abwesenheit von Reinheit zu sein."

"Wie kann Parinirwana erreicht werden? Indem man alle samsarischen Handlungen meidet. Welche sind das? Zum Beispiel nach Nirwana zu suchen oder sich an Reinheit zu hängen, seine Erleuchtung und Erweise davon zu hegen und Regeln wie Gebote nicht abwerfen zu können."

"Wir sind noch nicht gestorben, was macht es da für einen Sinn, Wiedergeburt zu diskutieren?"

"In einem Sutra heißt es, der wahre Dharmakaya der Buddhas ist wie Leere: Er offenbart sich in
Antwort auf die Bedürfnisse der Lebewesen, wie der Mond im Wasser gespiegelt wird. (...) Wer seine eigene Natur erfahren hat, wird richtig liegen, ob er solche Dinge nun als Weisheit oder Dharmakaya bezeichnet oder nicht, denn er wird dessen Wirkung entsprechend den Umständen entfalten, ohne von dualistischen Konzepten von richtig und falsch behindert zu werden."

"Frage: 'Glaubst du, dass unbelebte Dinge Buddhas sind?'
   Pai-chang: 'Nein. Wären unbelebte Dinge Buddhas, dann könnte ein lebender Mensch einem toten unterlegen sein.'"

"Buddhaschaft kann nur durch den Geist verwirklicht werden."

"Das, was wahrnimmt, ist unsere eigene Natur. Ohne sie könnte keine Wahrnehmung geschehen."

"Frage: 'Enthält unsere eigene Natur Böses?'
   Pai-chang: 'Sie enthält nicht einmal Gutes.'
   Frage: 'Wenn das so ist, wie sollten wir sie ausrichten, wenn wir sie anwenden?'
   Pai-chang: 'Sich einzubilden, sie anwenden zu können, ist ein großer Irrtum.'
   Frage: 'Was sollen wir dann tun, um recht zu handeln?'
   Pai-chang: 'Es gibt nichts zu tun und nichts, was recht genannt werden kann.'"

"Sutren sind Schriften in einer bestimmten Anordnung. Wenn ich spreche, dann benutze ich bedeutungsvolle Worte, die keine Schriften sind. Die meisten Menschen verwenden beim Sprechen Worte aus den Schriften, doch die sind bedeutungslos. Um wirkliche Bedeutung zu erlangen, sollten wir über unstetige Worte hinausgehen. Der Dharma ist jenseits von Worten, Reden und Schriften. Darum vergessen all diejenigen, die nach Erleuchtung streben, das Benennen, sobald sie die wahre Bedeutung erfasst haben. Zur Wirklichkeit erwacht, werfen sie die Doktrin fort, so wie ein Fischer seinem Netz keine Aufmerksamkeit mehr schenkt, sobald er Fische gefangen hat, oder ein Jäger seine Falle vergisst, nachdem der Hase sich darin verfangen hat."

[Literaturempfehlungen] 
John Blofeld: Zen Teaching of Instantaneous Awakening (Buddhist Publishing Group 1995)
Thomas Cleary: Sayings and Doings of Pai-chang (Zen Center of Los Angeles 1978).

[Abb. Pai-chang: studysutra.org]

Mittwoch, 12. November 2014

Die kriminellen Aktivitäten von [Hilfs-]Organisationen (II): The Circle

--- AKTUELL: Bitte esst eine Weile so viel Fleisch wie möglich und sendet dessen ganze Heilkraft Richtung Bordeaux! ---
Ich erkläre in Kürze, warum ...


In den vergangenen Monaten wurde allüberall ein Roman von Dave Eggers rezensiert, das Feuilleton der F.A.Z. widmete sich in einer Wochenendausgabe sogar fast ausschließlich The Circle. Ich bin auf Eggers durch seinen interessanten und zeitkritischen Roman Zeitoun aufmerksam geworden, wo im Zuge der Panik nach den historischen Verwüstungen des Wirbelsturms Katrina in New Orleans ein hilfsbereiter Muslim in die paranoiden Fänge der US-Ordnungshüter gerät. Einen Kurzgeschichtenband von Eggers fand ich dagegen überraschend schwach. Der Autor ist sehr umtriebig, u. a. Verleger und Initiator mehrerer sozial engagierter Einrichtungen und lässt z. B. in Tondokumenten die Zeugenaussagen Gefolterter archivieren.

   In The Circle denkt sich Eggers nun ein paar interessante Dinge aus, die teils gar keine Zukunftsmusik mehr sind, etwa einen implantierten Chip "child tracker", damit keine Kinder mehr verloren gehen, einen "anger detector", um häusliche Gewalt im Frühstadium unterbinden zu können, oder Umfragen mittels digitaler Medien, bei denen über den Einsatz von Drohnen gegen Terroristen zu entscheiden wäre. In einem Interview erweist sich Eggers dann jedoch weniger als Realsatiriker denn als konservativer Furchtengel. Seine Forderung nach Regeln für unsere digitale Welt klingt nämlich nicht nur nach einer Kritik an der zunehmenden Macht datenmonopolisierender Unternehmen wie Google und Facebook, sondern auch nach einer unterstellten Unfähigkeit des Einzelnen, mit diesen Entwicklungen frei genug umgehen zu können.
   Ich vermute: Noch ein paar Skandale in der Art psychologischer Experimente, wie sie Facebook heimlich mit Usern veranstaltete, und der Laden kann dicht machen, ganz zu schweigen von der zu erwartenden Entwicklung neuer und besserer Plattformen zur Kommunikation. Übersehen wird von den Kritikern, das sie den Hype um eigentlich inhaltsleere Unternehmen, die außer potentiellen Werbekunden, unzuverlässigen persönlichen Daten, einer Menge Karteileichen und ein bisschen Software nicht viel Greifbares an Waren- und Sachbestand haben, noch fördern, wenn sie etwas voraussetzen, was es gar nicht gibt: Nämlich die totale Vernetzung des Einzelnen. Ich habe kürzlich bei Google + reingeschaut, wo ich lange nur angemeldet war, sonst nichts, und festgestellt, dass über die Personensuche nach ehemaligen Klassenkameraden - auch nach solchen, die leitende Positionen bei großen Unternehmen begleiten (wie ich aus Klassentreffen weiß) - nicht einmal 5 % der Gesuchten dort zu finden sind. Bei Facebook sind es nur ein paar mehr. Es ist also peinlich, wenn Kritiker wie Eggers auf die Marketinglügen der Zuckerbergs und Co. hereinfallen und so noch deren übertriebene Börsenbewertungen stützen.
   Auch wenn das grundsätzliche Problem des Ausspionierens privater Angelegenheiten bestehen bleibt, wie sie etwa Google durch Scannen von an emails angehängten Dateien praktiziert und damit die staatliche Gewaltenteilung untergräbt - also Polizei spielt und die Errungenschaften der Demokratie aushöhlt -, so gibt es doch die andere Seite all derer, die frohgemut aller Welt mitteilen wollen, wo sie sich jeweils gerade aufhalten, wie ihre Kinder sich prächtig entwickeln und was sie so auf dem Teller haben (ich habe kürzlich entgeistert Chinesen beim Fotografieren ihres Essens in einem Restaurant beobachtet, es vergingen Minuten, bis sie endlich anfingen, sich dem Essen mit ihrem Mund zu widmen, und dann ließen sie noch die Hälfte stehen). Eggers unterstreicht nicht genug, dass wir unsere Profile im Netz selbst manipulieren und Tschüss sagen können, so dass die von uns gelieferten Daten nur noch Vergangenheit abbilden. Hat man erst eine Menge Arbeit in ein Projekt gesteckt, wie ich hier in diesen Google-Blog, ist die Trennung nicht so einfach. Yahoo verwende ich ebenfalls, das schon vor knapp zehn Jahren chinesische Journalisten ans Messer lieferte. Dazu kommen andere zu den Großkonzernen gehörende Produkte und Seiten wie der Chrome-Browser, Youtube, Daily Deal oder Google Earth.  Mit Vergnügen und Interesse sehe ich Googles Engagement in den Bereichen Hybridauto und Künstliche Intelligenz entgegen. Noch ist der Nutzen größer als der Schaden.
   Es ist nicht damit getan zu sagen, man habe nichts zu verbergen. Ich halte jedwede Form von Stalkerei und Schnüffelei für einen Vertrauens- und ggf. auch Rechtsbruch (die Verletzung des Briefgeheimnisses ist bei uns sicher einer). Die Quittung werden Unternehmen wie Google m. E. schon bald in Form von Schadensersatzklagen und Strafverfahren zumindest derjenigen User bekommen, die zu Unrecht in Schwierigkeiten gebracht wurden. Eine email zu viel und falsch gescannt kann dann in den USA gleich bedeuten, dass ein paar Millionen fällig werden und der Aktienkurs schwächelt. Als Gegenbewegung werden Mitarbeiter der Datenmonopolisten für die "andere Seite" arbeiten und die Unternehmen unterwandern, wir werden noch mehr Whistleblower sehen, das wird vielleicht der Job der Zukunft.

Ich hatte diesen Beitrag ursprünglich mit dem Namen Eggers und seinem Buchtitel überschrieben. Da fiel mir ein, dass ich einst als Nachschlag über die unmoralische Stalkerei von Hilfsorganisationen - die derjenigen der Datenmonopolisten sehr ähnlich ist und zugleich den Eindruck erwecken will, sie würde Regelbrüchen im Netz Einhalt gebieten wollen - noch ein paar Worte über eine jüngere Aktion von terre des hommes verlieren wollte. Denn auch diese NGO spielt gern Polizei, Big Brother und Gesinnungsschnüffler und hat sich hierzu ein Gebiet auserkoren, bei dem ihr der Beifall der Massen sicher ist. So erfand sie, unter der Rädelsführerschaft ihres Projektleiters Hans Guyt, das virtuelle Mädchen "Sweetie", das sich im Internet Usern für sexuelle Spielchen anbot. Guyt soll dann stolz die Daten von eintausend mutmaßlichen Pädosexuellen, die darauf ansprangen, der Staatsanwaltschaft übergeben haben. Inzwischen ist klar, dass die Sache schon deshalb ein Schuss in den Ofen wird, weil jeder der Betroffenen sich darauf herausreden kann, sich bewusst und nur im Spaß mit einer ganz offensichtlich virtuellen Figur eingelassen zu haben. Die Aktion war also dümmer, als die Polizei erlaubt, sollte man meinen.
   Guyt hat wie so viele selbst ernannte Kinderschützer hier wohl seinen Wunsch zum Vater der Gedanken werden lassen, dass auch jede nur scheinbare oder nicht-reale sexuell-erotische Verwicklung mit einer Kindgleichen strafbar sein müsse. Entsprechende Bemühungen gibt es von den einschlägigen Hilfsorganisationen natürlich seit Jahren weltweit, sie gehen inzwischen sogar so weit, dass der Sex mit mündigen und erwachsenen Frauen, die wie Kinder aussehen oder sich so zurechtmachen, bestraft werden soll. Auf der Microstock-Plattform des Foto-Anbieters Shutterstock steht in den Bedingungen für erotische Modell-Aufnahmen, dass die Abgebildeten mindestens wie 25 Jahre (!) aussehen (!!) müssten. Dort zieht die US-Sexualparanoia weiter ihre Kreise.
   Wie besessen ein Hans Guyt ist, zeigt sich ab der 34. Minute in folgendem Video, wenn man seine Gestik und Mimik nach kritischen Fragen studiert. Es sollte bedacht werden, dass man nicht zufällig "Sweetie" wie ein philippinisches Mädchen gestaltete, nicht etwa wie eine Deutsche, da die Hilfsorganisationen selbst ja immer wieder die Gefahr des Online-Sexes in unterentwickelten Ländern aufbauschen. Sie bedienen hier also ihre eigene Strategie, denn die Zahlen ihrer Opfer sind seit jeher so virtuell (unrealistisch) wie "Sweetie" selbst. Psychologisch handelt es sich für mich auch um Abwehrhandlungen einiger der Aktivisten gegenüber eigenen unbewältigten sexuellen Gelüsten.
   Ich habe als Jugendlicher einmal für terre des hommes gespendet, dann in den Folgejahren so viele farbige Prospekte bekommen, dass meine Spende allein dafür draufgegangen sein dürfte. Heute sehe ich mich darin bestätigt, mein überzähliges Geld lieber Menschen anzuvertrauen, die ich persönlich kenne. Wenn Dave Eggers sich Regeln wünscht, um die Macht der Großkonzerne einzudämmen, dann wünsche ich mir, dass auch die "Kleinen" - wie verwirrte Kinderaktivisten - gemäßigt und für ihre Heucheleien zur Rechenschaft gezogen werden. Ich bin davon überzeugt, dass selbst ernannte und stalkende Sittenwächter nicht nur für Google und Facebook arbeiten.
    Leider hat diese Hysterie ein Ausmaß erreicht, in dem sich auch Politiker wie Bundesjustizminister Heiko Maas zu einem "Plantschbecken-Gesetz" herabwürdigen, um sich unliebsamer Genossen wie Edathy zu entledigen und der pöbelnden Masse Stimmen abzuringen. Nur ein kleiner Teil des Gesetzes macht Sinn, für den anderen gilt: "Das ist Prüderie in Paragrafenform", wie es Professor Prantl in der SZ ausdrückte. Menschen, die ihrer eigenen Dämonen nicht Herr werden und keinen klaren Kopf bewahren, wenn es um die Einschätzung menschlicher Sexualität geht, haben schon häufig mit ihren Wahnfantasien Gesellschaften infiziert. Das Maas aller Dinge scheint nun zu sein, vorbeugend ins Denken der Bürger einzugreifen und durch den Entzug kindlicher Nacktheit potentiell "bösem" Gedankengut den Nährboden zu entziehen. [...]

[Maas musste zwischenzeitlich seinen Gesetzesentwurf entscheidend abschwächen, der diese Woche noch vom Bundestag zu beschließen ist. Ich habe darum die bereits vor Wochen verfassten zynischen Anwürfe an ihn gelöscht, werde ihm aber künftig misstrauen.]

Schon Laotse wusste: "Je mehr Tabus es gibt, desto ärmer wird der Geist der Menschen." Oder noch klarer: "Will die Regierung alles kontrollieren, werden die Menschen verschlagen."