Mittwoch, 17. September 2014

Sterben mit Kikifax Roshi

Kürzlich erwiderte ich eine Kritik in einem Kommentar, es gäbe eben kaum Zenlehrer im Westen, die nicht von anderen Traditionen beeinflusst oder verwirrt worden seien. Sogleich stieß ich auf ein Beispiel: Joan Halifax. In ihrem Wiki-Eintrag werden als "Vorgänger" Bernhard Glassman und Thich Nhat Hanh genannt, als Lehrer Seung Sahn. Auf dem Foto ist sie da mit dem Dalai Lama zu sehen. Schon haben wir alle Pappnasen beisammen (in Bangkoks größter Buchhandlung Kinokinuya füllen TNHs Bücher drei Regale, die des DL ein halbes, manchmal stehen sie auch nebeneinander). 
   Wir bekommen eine Idee davon, was einige Zenlehrer daran fasziniert, Hospize zu betreiben und zu betreuen (in Japan beschweren sich Zenlehrer eher mal, dass man sie nur für die Toten braucht). In Buddhist Care for the Dying and Bereaved (Wisdom 2012) schreibt Halifax: "Wir nutzen [bei der Betreuung von Sterbenden] tonglen, die neun Kontemplationen des Atisha" und noch was von Lama Yeshe. Auch dessen Wiki-Eintrag ist aufschlussreich, wird dort doch nicht nur von einer "celibate marriage" im Sinne einer Scheinehe gesprochen, die er eingegangen sein soll, um mit australischem Pass nach Tibet reisen zu können (haha, wie unauffällig!), nein, er habe auch nach seinem Studium den Geshe-Titel abgelehnt. Da fällt mir ein, was bitteschön in meinem Wiki-Eintrag einmal stehen sollte, dass ich nämlich stets meine farbigen Gürtel nach den Kampfkunst-Prüfungen ablehnte und mir vor zwei Monaten dann doch ehrenhalber ein falscher schwarzer (Leder-)Gürtel in einem Touristenneppladen verliehen wurde (den ich freilich wegen seiner zahlreichen Löcher schätze, da ich unter Gewichtsschwankungen leide). 
   Was aber nun den Yeshe von mir unterscheidet ist, dass er sich bereits - vom Dalai Lama bestätigt - bei Bekannten reinkarnierte (ich denke noch drüber nach, wen ich damit mal belasten werde), nämlich als Tenzin (D)Ösel der Eheleute Hita-Torres, beide natürlich ehemalige Schüler des Yeshe, was schließlich jedoch zu deren Scheidung beitrug (so ist das mit den guten Absichten). Als Senor Hita, nach abgebrochener Geshe-Ausbildung (wohl ein Hinweis auf seine Vorexistenz), nach Spanien zurückgekehrt, gab er kritische Kommentare dazu ab, als Kind aus seinem Elternhaus auf den Thron einer fremden Kultur verpflanzt worden zu sein. BBC Radio porträtierte ihn. Unten ist ein missratener Film zu sehen, den er selbst drehte.
   Doch zurück zu Joan Halifax. Man verstehe mich nicht gleich wieder falsch, ich sehe in ihrem TED-Auftritt das emotionale Ringen um eine "Wahrheit". Doch kann die im Zen nicht so aussehen: "Mitempfinden (compassion) hat Feinde, zum Beispiel Mitleid, moralische Entrüstung und Furcht." Dies nennt man "in Dualismen denken". Und man kommt, außer bei TNH, nicht davon, wenn man so daherschwurbelt: "Wir sollten unsere Gesundheitsdienstleister in Mitempfinden ausbilden, damit sie das tun, wozu sie da sind, nämlich das Leiden transformieren (sic!)." Wir sollten unsere Zenlehrer eher zum Erwachen bringen, damit sie das tun, wozu sie da sind, nämlich eine klare Sprache pflegen und die Dinge so erkennen, wie sie sind. Wenn nämlich, wie Halifax meint, in uns allen das Mitempfinden weile, dann wissen wir doch angesichts solcher Burschen, wie sie gerade einem Journalisten namens James Foley den Kopf abschnitten, dass es sich dabei um eine äußerst selektive Eigenschaft handeln kann. Und die ist nun mal nicht der Weisheit letzter Schluss. Witziger hat Robert Thurman, Ex-Mönch, Sanskrit-Gelehrter, Vater von Uma und DL-Schüler, auf der gleichen Plattform übers Mitempfinden geplaudert, kam jedoch zu ähnlich irrsinnigen Trugschlüssen, etwa dem, der Dalai Lama würde jeden Schlag auf den Kopf einer Nonne in einem chinesischen Gefängnis spüren, und Mitempfinden bedeute, zu fühlen, was andere fühlen. (Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, könnte das mit den Schlägen so einiges erklären ...)
   Halifax hat übrigens einen Doktortitel. Die Frage ist, ob sie nicht weniger durch das anthropologische Studium des Sterbens in verschiedenen Kulturen als durch die LSD-Experimente ihres Ex-Ehemannes Stanislav Grof beeinflusst wurde, aus denen sie schon in den 70er-Jahren auf Wiedergeburtserlebnisse schloss. Was kommt jedenfalls heraus, wenn man sich von all denen eine Scheibe abschneidet, von denen dieser Blog als Lehrer abrät? Eben.

Womit ich noch eine Anekdote aus einem gelöschten Kommentar nachschieben möchte, weil sie zu schade ist, in dessen Versenkung zu verschwinden. Als ich gerade der dreijährigen Tochter eines Freudenmädchens das Fahrradfahren beizubringen suchte und sie das Rädchen über eine kleine Regenfurche heben musste, ermutigte ich sie, statt auf meine Hilfe zu bauen, dies selbst zu tun. Als sie es geschafft hatte, zeigte ich ihr zufrieden meinen erhobenen Daumen. Es war einen Tag vor ihrer und der schwangeren Mutter Abreise zu einer christlichen Hilfsorganisation, die sie die nächste Zeit betreuen sollte. Da zeigte mir das kleine Kind plötzlich kommentarlos eine Mudra (Daumen berührt Mittelfinger). Wie ich so darüber nachdachte, kam ich zum Schluss, dass es sich bei ihr um die Reinkarnation von Kodo Sawaki handeln muss, denn wie er (als Kind) hat sie ein ansonsten recht ungehöriges Benehmen. Am folgenden Tag legte ich ihr also testweise ein Sawaki-Buch (auf Deutsch), einen Manga (thailändisch), einen Nasenpopel, eine Rolle Menthos, einen Chupa Chups-Lutscher und eine Schachtel Zigaretten vor die Nase. Und siehe da, sie schnappte sich das Sawaki-Buch!

Mittwoch, 10. September 2014

Achtsames Essen mit Jan Chozen Bays

Kürzlich schrieb ich noch in einem Kommentar, mir würde langsam der Stoff für diesen Blog ausgehen, was gezielte Polemiken angeht, bzw. ich würde mich wiederholen. Auf der anderen Seite geschieht es immer wieder, dass ich, um Thesen zu überprüfen (z.B. bestimmte Lehrer brächten keine sie übertreffenden Schüler hervor [Peter Matthiessen hatte Bernie Glassman nicht nötig, sondern umgekehrt]), mich wal wieder an einigen "Roshis" entlang durchs Netz klicke.
   Was macht z. B. Jan Chozen Bays, die Kinderärztin, authorisiert vom verstorbenen Alkoholiker Maezumi Roshi, der mehrfach verheiratet war und mit dem sie eine Affäre gehabt haben soll? Sie lehrt achtsames Essen, und sie gilt auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs als Expertin. Da steigt mir natürlich gleich ein diebisches Grinsen ins Gesicht, wird doch im Palikanon sexueller Missbrauch in erster Linie als Ehebruch verstanden.
   Achtsames Essen? Gerade habe ich von meinem Kardiologen die thailändische Aufschrift meines Glucerna-Pulvers, das ich fälschlicherweise für ein Diätprodukt im Sinne unseres Almaseds in Deutschland hielt, entziffert bekommen: "Das ist für Menschen, die nicht mehr normal essen können", sagte er, "zu viel Zucker und Kalorien. Kein Wunder, dass Sie wieder zugenommen haben ..." Ich Depp! Immerhin, ich habe gerade die magische 108 (kg) erreicht.
   Achtsames Essen, wie es moderne Zenlehrer erfinden (so viele sind ja auf dem Trip, sie müssten da was Kreatives raushauen: Achtsames Atmen, Achtsame Geistbasierte Stressreduktion - Achtung, möglicherweise Copyright-geschützt! etc. pp.)? Auf Jon Chozen Bays Infoblatt heißt es, dass jedem seine eigenen Gewohnheiten gelassen werden, es ginge um eine Erziehung zum bewussten Essen mit Gewahrsein der Folgen für die Umwelt. Da wird also versucht, dem klassischen Zen treu zu bleiben (Nicht-Werten), aber insgeheim ist klar, dass eine gewisse Position vonnöten ist.
   Ich habe mich kürzlich mal wieder seltsam an der eigenen Spucke verschluckt, ohne überhaupt gegessen zu haben, und kam dem "trockenen Ertrinken" nahe, als der Stimmritzenverschluss einsetzte. Na sowas, dachte ich, ganz ohne Essen, wäre das nicht ein wirklich köstlicher Witz, so zu verrecken? (Es war freilich gar nicht so witzig.) Ab und an gehe ich zum Burgerladen und esse achtsam und genussvoll den Fischmäc oder den McMuffin mit Speck. Dabei kann ich mir durchaus die ganze Herstellungskette vorstellen, da ich ja beim Töten von Tieren mit Bolzenschussgerät schon als Kind dabei war (wir lebten und arbeiteten auf einem Bauernhof). Nicht-wertend geschieht überhaupt nichts, außer dass mir der Burger mal wieder saugut oder rindsgut oder kabeljaugut schmeckt.
   Nun stellt sich die Frage nach der Empathie. Was, wenn ich mir vorstelle, wie das Tier starb? Ich denke, so möchte ich auch sterben, mit einem kurzen Dong und aus ist. Was ist mit dem Leben davor? Nehmen wir an, ich imaginiere das Huhn in einem engen Käfig, wo es sich mit anderen hackt. Meine Vorfahren haben noch Tiere in der Wildnis erlegt, die damit rechnen mussten, von anderen verletzt oder aufgefressen zu werden. Das Tierleben ist eben mal kein Zuckerschlecken (außer für die kleinen Ameisen in meiner Bude, die gerade über einen Krümel am Boden herfallen). Ich esse Wild wegen des intensiven Geschmacks lieber als Haustiere, aber die Tiere auf dem Burger gab es ja so in der Wildnis gar nicht, die wurden ja quasi für den Burger erfunden und gezüchtet. Im Grunde ist ihr Leben nicht viel tragischer als das in freier Natur. Isst einer z.B. eine Schildkrötensuppe, so ist die aus einem Tier gemacht, das eine minimale Überlebenschance hatte - die meisten frisch geschlüpften Schildkrötchen überleben die ersten Tage nicht, sondern landen in den Verdauungstrakten anderer Lebewesen. Es ist also schwer möglich, durch rationale Überlegungen auf das Mitempfinden zu kommen, das die Fleischkonsum-Gegner oft geltend machen. Es dürfte sich durch "Achtsamkeit" wenig an den Essgewohnheiten ändern, da hierdurch nur rationale Gedankengänge ausgelöst werden. Das Nicht-Wertende ist vorgeschoben, denn ohne Wertung wird man weder von den Chips noch von der Cola noch vom Burger lassen.
   Im Palikanon gibt es keine Grundlage für diese Dinge, sie haben also gar nichts mit Buddhismus zu tun. Auch damals hielt man schon Haustiere, die Tötungsarten dürften eher dem Schächten geähnelt haben, die Mönche bekamen Fleisch gespendet, Butter, Zucker und Honig wurden ausdrücklich als "Medizin" empfohlen, alles Dickmacher, und Theravada-Mönche werden noch heute nach Mittag damit in den Häusern verköstigt, in die sie eingeladen werden. Überall auf der Welt sieht man dicke Mönche, sicher auch, weil die buddhistischen Essensregeln nicht hinreichend mit modernen Erkenntnissen übereinstimmen.
   Neulich zitierte ich aus einem Roman, dass Tiere nur unsere Nähe suchten, wenn wir ihnen zu essen geben. Umgekehrt ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir gerne auch von Tieren zu essen bekommen, und da keinem von uns, wie in einer Zen-Geschichte, die Vögel Nüsse beibringen, nehmen wir es uns von den Tieren selbst. Darin steckt eine gewisse Logik, zumal, wenn ich achtsam den Lauf der Natur betrachte. Würden wir keine Haustiere schlachten, dann gingen wir wieder hemmungslos auf die Jagd, und da das Wild nicht ausreichte, würden wir wieder Haustiere züchten. 
   Die Achtsamkeit wird manchmal durch sehr individuelle Tatsachen erzwungen. Ich vertrage seit einigen Jahren das geschätzte scharfe Essen nicht mehr (Reflux). Kürzlich lief ich zufällig in ein Gebäude, das hellstes Entzücken in mir auslöste, es war voller japanischer Restaurants (sogar eines im Maiko-Stil, wo junge Frauen in sexy Manga-Maid-Outfits bedienen und zu Fotoshootings gegen Entgelt bereits sind), es gibt da japanischen Melonenkuchen, Grüntee-Eis; Omu-Omeletts und sahnegefülltes Gebäck (Chou Cream). Meine Achtsamkeit gebot mir, von den meisten der fetten und scharfen Speisen Abstand zu nehmen, jedoch war ich mir auch meiner Sinnenlust gewahr und der Vergänglichkeit meines Lebens und habe genau deshalb (!) sogar mein Kimchi-Schälchen aufgefuttert. In der Nacht brauchte ich dann Galviscon, was es hier glücklicherweise zu kaufen gibt. Mein Tipp also: Gateway Ekamai in Bangkok, nahe der Bushaltestelle. Wieso sollte man, wenn man achtsam ist, seine Bedürfnisse ignorieren?
   Was "Achtsamkeit" (mindfulness) im Zen bedeutet, habe ich kürzlich durch Zitate aufgezeigt. Es ist ein weiterer Begriff aus der Tradition, den manche Zenlehrer einseitig für ihre persönlichen Überzeugungen und ihre Spendenbüchsen missbrauchen. Die von Chozen Bays geforderte "Freiheit von gewohnheitsmäßigem Verhalten und Denken" würde dann also auch umfassen, dass ich frei vom reflexartigen Verzicht auf Genussmittel bin. Das lässt sich alles in sein Gegenteil verkehren, weil es letztlich gar nicht wertfrei ist. Wer irgendwelche Zweifel hat, dass die übliche Essens-Ideologie sich hinter dem Konzept der Zenlehrerin verbirgt, kann ja mal in das folgende Video reinschauen (Motto: Chicken Nuggets können keine Medizin für unseren Körper sein - "dies ist keine Nahrung, dies ist etwas anderes" - ich hingegen wette einen Tausender, dass jemand sich ein Jahr von Chicken Nuggets und Cola ernähren kann, ohne zu krepieren).
   Wie sehr sich die Menschen der naheliegenden (nicht-verschwenderischen) Ernährung entfremdet haben, zeigt sich dann auch in den Anmerkungen eines Berichtes im Stern, wo die (vermutete) Verarbeitung von Hühnchenknochen und -füßen als eklig bezeichnet wird. Nicht nur habe ich schon als Kind gerne an den abgebissenen Enden von Hühnerknochen das Mark herausgesaugt, Hühnchenkrallen sind noch immer eine beliebte und schmackhafte Suppenbeigabe in Asien. Der Westen zeigt mal wieder allen seine Scheuklappen, und Jozen Bays, wo sie nicht loslassen will.
   Dies ist keine geistige Nahrung, dies ist etwas anderes ...
  


Wer Englisch versteht, kann sich hier an einer Studie zum achtsamen Essen beteiligen, damit auch diesen Leuten vielleicht ein Licht aufgeht. 


Dienstag, 9. September 2014

Aus aktuellem Anlass: Gegendarstellung zu Verleumdungen im Forum "Buddhaland"

1. Im Forum "Buddhaland" fanden sich zwei Behauptungen, die ich den verantwortlichen Axel Jung zu löschen bat. Zunächst wollte ich zur ersten eine Gegendarstellung veröffentlicht haben, nach der zweiten beanstandeten Behauptung schickte ich ihm jedoch eine auf 5.9.2014, 24:00 Uhr MEZ befristete Abmahnung mit Hinweis auf die Daten beider zu löschenden Einträge bzw. Satzteile. Herr Jung fragte mich per email noch nach dem entsprechenden Link. Bis jetzt (10.9., 12:00 Bangkok) ist der Beitrag, in dem sich die erste abgemahnte Formulierung befindet, komplett gelöscht. Der zweite beanstandete Beitrag ist jedoch unverändert geblieben. [Aktualisiert: Bei heutiger Sichtung (14.9., 15:17 Bangkok) ist auch der zweite Beitrag gelöscht. Vielen Dank!]

In der Vergangenheit war mehrfach von Buddhaland-Moderatoren (oder zumindest von einem) gegen die dortigen "Forumsregeln" verstoßen worden, so gab es z. B. Sperrungen von Usern ohne Verwarnungen. Ich nehme das als weiteren Beleg für die Unreife derer, die ansonsten gern die Keule der "rechten Rede" schwingen, wenn es ihnen passt.

2. Bei den beanstandeten Stellen handelt es sich um die Behauptung der anonymen Userin "stiller raum", es liefe beim Angkor Verlag nicht gut. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Weiterhin um die Behauptung, das Bezahlen von Freudenmädchen in Thailand sei strafbar und ich hätte mich darum einer Straftat bezichtigt. Dies ist falsch! An die Strafbarkeit der Prostitution sind eng gefasste Bedingungen geknüpft, die ich nicht erfülle (z. B. der Besuch von einschlägigen Bordellen). Die von mir hier und anderswo geschilderten Ereignisse mit erwachsenen ("frei schaffenden") Freudenmädchen sind allesamt nicht strafbar. Auch bei dieser Behauptung handelt es sich also - neben einer womöglich ideologisch motivierten, gezielten Fehlinformation von Lesern (oder schlichtem Wunschdenken) - um üble Nachrede und Verleumdung. Näheres zur diesbezüglichen Gesetzgebung in Thailand hier.

3. Die Userin Doris Rasevic-Benz hat sich diesbezüglich im Forum wie auch hier eine Diskussion gewünscht. Einige ihrer Fragen habe ich wohl in den letzten Tagen erahnt und in einem Text "aus aktuellem Anlass" beantwortet. Dieser Beitrag wurde nun wieder gelöscht, genau wie damals die Diskussion mit "stiller raum" in einer Kommentarfunktion. Der Asso-Blog soll sich bewusst nur begrenzt um mich drehen, vor allem aber um andere (Sawakis Weisheit: "Was glotzt du so? Merkst du nicht: Es geht um Dich!" bleibt dabei gültig). Ich gehe davon aus, dass Doris den genannten, an sie gerichteten Beitrag zur Kenntnis nahm. Sie hat sich jedoch nicht mehr gemeldet, obwohl ich sie zur Diskussion einlud, so dass ich das Thema als erledigt betrachte. Es ist jederzeit möglich, sich per email mit mir auszutauschen. Ich möchte den Blog jedoch nicht zum Forum für Debatten über den Blogger machen. 

Einstweilen führte die Diskussion zu einer erhöhten Zugriffszahl nicht nur auf diesen Blog, sondern auch auf die Verlagswebsite. Diese Sensationsgeilheit, die sich ja schon an den Zugriffszahlen der Beiträge über TTS seit Jahren zeigt, ist aber nicht das, worum es mir hier geht. Achtet lieber auf das, was Euch buddhistische Lehrer einreden wollen! In wöchentlichem Abstand werden darum noch einmal kritisch u. a. Nydahl, Hanh und Sasaki unter die Lupe genommen. Ich bitte Euch auch, selbst aufmerksam zu schauen, wie Anhänger bestimmter Lehrer systematisch Foren "unterwandern", um dort ein Klima zu erzeugen, dass letztlich zu deren Stillegung führen kann (solche Versuche gab es z.B. im damaligen Forum der DBU). Es gibt m.E. eine erhebliche Anzahl Therapiebedürftiger insbesondere in den Gruppen einiger der oben genannten Lehrer, die - statt sich bei diesen herumzutreiben und noch mehr verwirren zu lassen - besser in der Psychotherapie aufgehoben wären. (Doris ist nicht gemeint.)

***



(In dieser älteren NHK-Doku über das Eiheiji und seinen damals 104-jährigen Abt Miyazaki Ekiho Zenji, die gerade wieder auf ARTE zu sehen war, hören wir die Worte: "Wenn dein Körper geradlinig ist, wird auch dein Geist geradlinig." Das ist witzig, denn nach 93 Jahren Sitzmeditation hat sich der Körper des Abtes, wie um ihn zu verspotten, verkrümmt! Sympathisch ist, dass er nicht sterben - und zuvor bettlägerig - werden wollte und darum angeblich darauf verzichtete, am Tag zu schlafen. Gegen Ende lag auch er im Krankenhaus.)

Mittwoch, 3. September 2014

Kabat-Zinn, Goenka und die Irrtümer des Vipassana

Dass selbst Promovierte zu Flachheiten neigen, sobald sie Buddhismus populär vermitteln, zeigt sich auch beim "Blättern im (neuen) Buch" von Jon Kabat-Zinn. Der widerspricht sich gerne mal selbst, wenn er auf einem Kongress vor Kollegen die klassiche Zenweisheit zitiert, Meditation bringe einen nirgendwohin, in seinem Buch jedoch gleich zu Beginn betont, dass wir eine konkrete Zielvorstellung für die Meditation bräuchten. So etwas passiert, wenn man sich einen eigenen Brei zusammenrührt und die notwendigen Ingredienzen der Überlieferung vergisst. "Wenn du der Langeweile Aufmerksamkeit schenkst, wird sie ungeheuer interessant", meinte er einmal. Ich habe es mit seinem Buch probiert und kann dies nicht bestätigen.
   Kabat-Zinn hat versucht, aus dem Buddhismus eine gesundheitsfördernde, stressreduzierende Meditationsmethode (MBSR) zu extrahieren, die man ohne die Bindung an eine Religion nutzen kann. Dabei bedient er sich vor allem bei der "Body Sweeping"-Übung des Burmesen U Ba Khin (1899-1971), die die Aufmerksamkeit auf jegliche Regung im und am Körper richtet, angefangen von den Empfindungen beim Ein- und Ausatmen an den Nasenlöchern. Diese Idee wird vor allem mit dem Dhyanasamadhi-Sutra in Verbindung gebracht, was bei genauer Betrachtung überraschen mag. Dieses  Sutra (T15, 269c-286a, hier auf Englisch) wird zwar auf einen orthodoxen Sarvastivada-Standpunkt zurückgeführt, also auf die bedeutendste der frühen Hinayana-Schulen, ist uns aber in der Übertragung durch Kumarajiva bekannt und stellt einen Kompromiss mit den Lehren des Mahayana dar (die Sarvastivadin hatten ja eine eigene Sanskrit-Fassung der Lehrreden Buddhas und des Abhidhamma, die vom Palikanon der Vibhajjavada/Theravadin abwich); sein letzter Teil handelt vom Bodhisattva-Ideal. So bestehen dann auch Widersprüche zu den Deutungen der Atemübungen durch Buddhagosa. Versuche, vor allem durch Atemübungen den Mahayana-Buddhismus zu etablieren, hat es ja im Westen durch so genannte Zen-Lehrer wie Thich Nhat Hanh gegeben.
  Der Sinn eines sich Bewusstmachens selbst kleinster körperlicher Regungen bestehe nun darin, sich der Vergänglichkeit bewusst zu werden, "ihre Vergänglichkeit, ihr Ungenügen bzw. ihr Nicht-Selbst auf einer tieferen Ebene" zu verstehen (Wiki). Ich habe einmal einen Mönch getroffen, der für sich reklamierte, sich stets jeder seiner körperlichen Regungen und Gliederpositionen bewusst zu sein. Angeführt werden nun nicht nur von Kabat-Zinn, sondern sogar von der indischen Regierung Erfolge beim Einsatz dieser Meditation etwa in Gefängnissen, wo sie für mehr Frieden und bessere Kommunikation sorgten. Betrachten wir uns jedoch einmal genauer, worum es hier geht.
   Zweifellos darf man von einer Achtsamkeitsmeditation erwarten, dass sie einen aufmerksam und gelassen werden lässt, um es vereinfacht zusammenzufassen. Seltsam ist jedoch die Annahme, es handele sich um Stressreduzierung, denn da die Methode vor mehreren Tausend Jahren in einem relativ stressfreien, arbeitsfreien Umfeld einer Mönchsgemeinschaft enstand, ist diese Wirkung mit Sicherheit nebensächlich gewesen. Mir scheint, es wird hier erst ein Problem geschaffen ("Stress"), damit man dann eine dazu passende Methode verkaufen kann. 
    Betrachtet man sich die Entwicklung eines Menschen, so kann er im Mutterleib im Grunde dank seiner Unfähigkeit, bewusst zu atmen, überleben. Die Lungen des Ungeborenen sind mit Fruchtwasser gefüllt, dehnen und bilden sich dabei aus, der Atemreflex wird zwar gewissermaßen durch eine Art Schluckauf trainiert, tatsächlich aber erfolgt die Sauerstoffzufuhr über Plazenta und Nabelschnur. Man könnte also sagen, dass die Kunst der menschlichen Atmung (man bedenke, dass wir während der Embryonalentwicklung sogar zeitweise den kiemenbehafteten Fischen ähneln) von Anfang an darin besteht, dass sie unbewusst richtig erfolgt. Es mag unmittelbar nach der Geburt nötig sein, etwas nachzuhelfen, um die Umstellung auf Lungenatmung zu schaffen, doch damit hat es sich dann. Ich beschrieb hier schon einmal, wie ich mit einem Kleinkind schwimmen ging und es von selbst anfing, das Tauchen zu erlernen, ins Wasser zu springen, das Atmen unter solchen Bedingungen richtig zu handhaben. Wieso es nun die Aufgabe einer buddhistischen Übung sein sollte, einen an sich problemlosen Vorgang zu problematisieren, ist eine Frage.
   Die andere Frage stellt sich nach den verschwiegenen Nebenwirkungen dieser Meditationsart, die ich für vollkommen überschätzt halte. Beim Besuch einer so Übenden entdeckte ich in ihrem Badezimmer ein Sammelsurium natürlicher Heilmittel und Nahrungsergänzungsmittel, von denen fast alle wirkungslos oder überflüssig sein dürften. Damals kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass eine übertriebene Achtsamkeit auf Vorgänge im Körper sich in Hypochondrie, der Angst vor Krankheiten widerspiegeln könnte. Tatsächlich würde ich heute wetten, dass die Praktizierenden des "body sweeping" gegenüber einer Vergleichsgruppe von Nicht-Meditierenden signifikant häufiger Ärzte aufsuchen und sich Medikamente und Ergänzungsmittel einführen. Man könnte nun einwenden, dass der Knackpunkt der Vergänglichkeit solcher körperlicher Regungen, den es bewusst zu machen gilt, sie davor bewahre. Doch ist diese Tatsache ja allein durch rationale Erkenntnis erfahrbar, und vor allem stimmt sie in Bezug auf körperliche Phänomene nicht: Sollte ich z.B. meinen Herzschlag stets bewusst spüren, so würde dies erst mit meinem Tod enden, und bestimmte Schmerzen vergehen ebenfalls erst mit dem Lebensende. Im Umkehrschluss könnte man daraus bereits herleiten, dass die Übenden also gar nicht machen, was sie behaupten, weil sie dann zu anderen Ergebnissen kämen (nämlich zum Beispiel der "Unvergänglichkeit" ihres Herzschlages oder Blutflusses während der Meditation). Ich behaupte deshalb, dass es sich hier um eine anmaßende Lüge handelt - ohne dass sich alle Lehrer dessen bewusst sein müssten. Die berichteten und auch durch Studien belegten wünschenswerten Auswirkungen auf Übende sind zudem nicht hinreichend durch andere mögliche Parameter (wie Hypochondrie) abgewogen.
   Wie konnte es nun zum Boom dieser Art von Vipassana-Meditation kommen? Wie zu erwarten, handelte es sich keinesfalls um eine rein geistige Angelegenheit oder den Wunsch nach Stressreduktion. Satya Narayan (S. N.) Goenka nämlich - endlich mal einer, der sich durch kostenlose Angebote auszeichnete, dachte ich, bis ich von seinen Exklusivangeboten für Geschäftsleute las und von diesem Kultgehabe - wandte sich einst aus einem einfachen Grund an den Lehrer U Ba Khin - er litt unter Migräne-Anfällen. Mit diesem Thema habe ich mich nun ausgiebig beschäftigt, und heute ist mir klar, dass es nicht nur unzählige individuelle Arten von Migräne gibt (siehe die Standardwerke von Oliver Sacks), sondern auch eine Menge Leute, die ihre gewöhnlichen Kopfschmerzen für eine solche halten. Wie so oft steckt hinter den Methoden buddhistischer Lehrer (und ihrer Lehre selbst) der Wunsch nach Schmerzfreiheit und körperlichem Wohlbefinden. Die Methode funktioniert dann freilich auch nur bei kleinen Wehwehchen und scheiterte natürlich etwa in der Anwendung bei Krebserkrankungen oder Migräne im Allgemeinen.
   "Betrachte und reagiere nicht" wird U Ba Khin dann mit einem seiner Hauptratschläge auf Wiki zitiert. Machen wir uns einmal ganz achtsam klar, was eine solche Einstellung, wenn sie zum Wesentlichen der eigenen Übung wird, bedeutet, dann kennen wir einen Grund, warum sich die Militärregierung in Burma/Myanmar so lange halten konnte.  


(Foto: Keller)

Donnerstag, 28. August 2014

Was der Dalai Lama angeblich so meint

Aus aktuellem Anlass verschiebe ich die "Weisheiten von Zen-Meistern" (Teil II) auf später und verliere ein paar Worte über den Disput zwischen Matthias Steingass und Tenzin Peljor beim Unbuddhisten. Ich sehe mich dazu veranlasst, da Tenzin den Duktus von Matthias offensichtlich mit meinem vergleicht (warum er mich nicht namentlich nennt, weiß ich nicht, das wäre am einfachsten). Zunächst einmal: Matthias' Anfrage an karmagläubige Buddhisten, die das Leid von Menschen allein in deren Verantwortung (und gegebenenfalls Vorleben) begründet sehen, ist berechtigt. Ähnlich wurde hier auch schon gelästert, und das gilt sicher ebenso im Hinblick auf den Dalai Lama, insofern auch Tenzins Unterstellung stimmt, Matthias und ich hätten da was gemeinsam. Wenn wir das Leiden von Menschen verringern wollen, müssen wir auch Machtunterschiede eliminieren, wir müssen die Strafverfolgung unterstützen usf. Nun geht es Matthias schwerpunktmäßig eher um eine Gesellschafts- und Kapitalismuskritik (das Selbst als Produkt u.a. der Geschichte und das Selbst als Gesellschaft). Ich greife hier mal aus buddhistischer Perspektive unter die Arme und zerlege das, was der den tibetischen Buddhismus studierende Tenzin dort zum Besten gibt.

1) Bei der Beurteilung dessen, was jemand nicht einfach und klar aussagen kann (Zitat Tenzin zu den jüngsten diesbzgl. Erläuterungen des DL: "einige waren mit der Präszision überfordert"), darf als ein Maßstab insbesondere bei einer Religion der "Praxis", also der Anwendung des Gelernten und Gelehrten gelten: Wie lebt denn der, der dies sagt? Wenn der Dalai Lama nicht an eine personale Wiedergeburt glaubte, dann müsste er sich als solcher sofort selbst "entmachten", er müsste entroben und dergleichen. Denn er kann nicht die Wiedergeburt eines soundso sein, sondern nur die sich fortsetzende "Zusammenschreibung von Aggregaten" (Tenzin). Man könnte sonst im Sinne rein buddhistischer Logik, da es auch Reinkarnationen in uns nicht sichtbaren Himmelswelten gibt, sogar behaupten, es handele sich bei dieser Reinkarnation nicht um die des Vorgänger-Dalai Lamas, sondern um die von Adolf Hitler (der sich inzwischen über Wiedergeburten zu einer moralisch angesehen Aggregatsakkumulation gemausert hätte). Aber so ist es ja nicht. Denn so funktioniert das Gelug-Herrschaftssystem nicht. Die Funktion des "Dalai Lama" ist die eines Kontinuums mit bestimmten Eigenschaften. Der Dalai Lama reist als solcher, als Projektion, durch die Welt, nicht als der, der er ist.

Stattdessen heißt es dann doch aus dem Munde des DL: "As a being who changes his clothes is still the same person, equally it is the same being even if it changes the body." Hier wird zunächst die "Person" mit dem inkarnierten Wesen analog gesetzt. Bei dieser Person handelt es sich jedoch um eine Einheit Körper-Geist. Es gibt dann ein Wesen ("being"), das seinen Körper ändert - also nicht mehr diese Einheit darstellt. Folglich ist die Analogie unbrauchbar, einem Literaten würde man eine solche um die Ohren schlagen. 

Zudem sagt der DL im gleichen Text: "There is no independent self apart from the body." Wenn es kein unabhängiges Selbst ohne Körper gibt, dann kann auch kein Kontinuum in einen anderen Körper eingehen, da das Kontinuum - so überhaupt je vorhanden , auch in seiner bloßen Zuschreibung als "Selbst" - durch den Körperzerfall beendet wurde. Tenzin versucht das zu behaupten, indem er sagt, es gäbe keinen DL, der wiedergeboren würde; dann jedoch spricht er von "Existenz, die sich fortsetzt", und genau dieser Minimalkonsens, im Grunde eine Binsenweisheit (selbst ein Agnostiker mag sagen: "Er lebt in seinen Werken fort"), führt dazu, dass man eine beliebige, chaotische Fortsetzung des Ursache-Wirkungszusammenhanges erwarten darf, also dass sich Existenz quasi undurchschaubar, willkürlich, eben nicht selbst-zentriert, verwirklicht und man sich so bestenfalls darüber wundern darf, was aus diesem unkalkulierbaren Mischmasch an Ursachen für ein Individuum entsteht. 

Laut der Buddhalehre gibt es das sowieso nicht, denn die Aggregate, die sind nicht das Selbst. Sie besitzen keine inhärente Kontinuität. Es ist von daher nicht möglich, a) zu lehren, dass wir NICHT DIE AGGREGATE SIND, b) zu behaupten, dass es ein solches (Aggregats-)Selbst als Kontinuum gäbe. Es gibt lediglich den Irrtum darüber, der im Buddhismus auch Unwissenheit genannt wird. Man kann also nicht den Kern einer Lehre dadurch glaubhaft vermitteln, dass man ihrer Grundaussage widerspricht, nur um damit die Grundlage des tibetischen Gesellschaftsvertrages zu legitimieren.

Der Hinweis auf eine "sehr subtile" (d.h. den Massen unverständliche) Sichtweise des tibetischen Buddhismus begründet natürlich den Herrschaftsanspruch einer Elite. Buddhismus ist jedoch ganz einfach. Wer es nicht einfach erklären kann, hat den Menschen nichts zu sagen. In meinen Augen wird die Subtilität des tibetischen Buddhismus sowieso zum einen aus strategischen Gründen nur behauptet, zum anderen ist sie ein Missverständnis von eher schlicht gestrickten Gesellen. Mir ist noch nichts im tibetischen Buddhismus untergekommen, was schwer verständlich wäre, aber allerhand Aberglaube und Folklore.

2) Natürlich: Wenn der Buddha des Palikanon meint, er sei in einem früheren Leben Karawanenführer gewesen, dann müssen wir ihn genauso dafür kritisieren wie den DL. Oder wir müssen die Autoren des Palikanon kritisieren, wenn sie frühere Existenzen als Massenmörder und dergleichen auslassen. In diesen Blog geschieht das, denn hier wird der Ursache-Wirkungszusammenhang der Denke von buddhistischen Lehrern mit ihrer Schriftgläubigkeit in Verbindung gebracht. Oder mit ihrer mangelnden Fähigkeit zu eigenständigem Denken. Oder mit ihrem mangelhaften Intellekt. Oder mit den Scheuklappen ihres jeweiligen ideologischen Denkens.

3) In einem Absatz meint Tenzin als Beispiel, wenn "Anna vergewaltigt wird", dann wären es andere Wesen gewesen, die dafür durch ihre Ignoranz den Grundstein legten. Nur ein paar Sätze weiter argumentiert er jedoch: "Einsicht in Karma soll zudem helfen, ein ethisches Leben zu führen; dass man anderen nicht schadet, so dass man selbst später keinen Schaden erfahren muss." Aus der Logik des ersten Teiles folgt jedoch, dass "man selbst" auch Schaden erfahren könnte, wenn man einsichtig und umsichtig handelt, da ja andere Ignorante den Grundstein dafür legten, genau wie im Falle Anna. Nach dieser Logik bräche das Unheil über Menschen herein, egal wie anständig sie sind, und tatsächlich haben wir dafür ja genug Beispiele aus der Geschichte und unseren Bekanntenkreisen. Dies klärt also keineswegs die Frage, wieso dann überhaupt jemand ethisch handeln soll, wenn doch nach einem solch (kruden) Karmaverständnis sowieso die Unethik der anderen einen treffen kann. Ergo ist ein solcher Karma-Begriff für unsere Welt untauglich. Aus diesem Grund hat dann sowohl das Strafrecht andere Maßstäbe gefunden als auch andere Kulturen, die z.B. die Blutrache pflegen. Es ist nicht möglich, unter Menschen einen Konsens zu finden, der das Leiden eines Individuums so begründet, dass darauf niemand mit instinktiver Wut reagiert, also einem der Gifte im buddhistischen Sinne. Dieser Wirkungszusammenhang selbst zeigt schon, dass diese seltsamen Erklärungsversuche für individuelles Leiden nichts taugen.

Hier in diesem Blog wurde eine der Hauptursachen hergeleitet: Die vier edlen Wahrheiten sind in dieser Form falsch, also Unwahrheiten. Mit dem Festhalten an diesen Grundaussagen als Kern der buddhistischen Glaubenszugehörigkeit wird die Ursache für das spätere Unvermögen gelegt, dem Leiden einen plausibleren Rang zuzuweisen. Um dies nochmal kurz zu machen, bitte ich Leser inständig in sich zu gehen mit der Frage, ob ihre Geburt tatsächlich leidhaft war und ob etwa der Genuss von Sex und Leckereien tatsächlich leidhaft ist, wenn man darüber keine Ideologie des Leidens legt. Hier in diesem Blog wird die Tradition des Zen gepflegt, weil sie erkannt hat, dass der Leidbegriff mit einer falschen Vorstellung von Zeit einhergeht: Wer im gegenwärtigen Augenblick nicht vom Geschehen selbst entzweit ist, der leidet tatsächlich nur dann, wenn er leidet (psychisch-körperlich), nicht aber, wenn Vergänglichkeit an sich geschieht (worauf die vier edlen Wahrheiten gründen). Denn bei der Vergänglichkeit handelt es sich um ein Konzept, das sich auflöst, wenn man es versteht, widerspruchsfrei im gegenwärtigen Moment zu existieren.

Schauen wir auch hier wieder genau hin, wie der DL lebt, um zu erwartenden Einwänden vorzubeugen, ein moralisch ansprechendes Leben würde aber doch den Einfluss der Untaten und der Ignoranz anderer mindern: Der Dalai Lama glaubt nicht daran. Entweder führt er ein solches Leben privat gar nicht, oder aber er tut es (was wir glauben können), fährt jedoch in gepanzerten Fahrzeugen und hält sich Leibwächter. Damit hätte er - so er überhaupt Tenzins Ansicht teilt - seine Botschaft ad absurdum geführt. Um etwa die Ankündigung, er würde 90 Jahre alt, wahr zu machen, schützt sich der DL ganz profan wie andere Menschen auch, die ihr Leben in Gefahr sehen. Da ist kein mystischer Einfluss eines Kontinuums, da wird einfach eins und eins zusammengezählt, die Mystik besteht einzig in der Selbsttäuschung, wissen zu können, wie lange man lebt.

4) Buddhologisch betrachtet ist die Aussage des DL, es gäbe kein unabhängiges Selbst, falsch. Das mag seine Sicht sein, aber hier wurde mehrfach auf die Tathagatagarbha-Sutren (die der DL im Übrigen kennt) hingewiesen, nach denen der Buddha einen atman lehrte, also ein Selbst, das rein und ewig sei. Der DL hat sich für eine Interpretation entschieden, die die wenigsten Widersprüche mit seinen anderen Lehren gewährleistet. Rein akademisch kann man dem (Mahayana-) Buddhismus auch eine atman-Lehre nachweisen, allerdings ist diese in den besagten Quellen nicht mit einer Reinkarnationsvorstellung der Tibeter identisch, da sie nicht zwingend einen Körper zu benötigen scheint.

(Foto: Keller/Bangkok)

Mittwoch, 20. August 2014

Weisheiten von Zen-Meistern I: Hongren, Chinul und Ejô

"Erwache zunächst durch dich selbst, dann suche andere auf."

Heute und nächste Woche fasse ich für mich interessante Erkenntnisse bekannter und weniger bekannter Zenmeister zusammen. Als Quelle diente u.a. Thomas Cleary (Hg.): Minding Mind. A course in basic meditation. (Boston 1995).


Meister Hongren (602-675, fünfter Patriarch):

"Erleuchtung wird verwirklicht, wenn man seinen Geist versteht. Verwirrung entsteht, wenn man den Kontakt zu seiner eigenen Natur verliert."

"Den eigenen Geist zu verstehen ist der wahre Geist, so verschwinden irrige Vorstellungen. Wenn irrige Vorstellungen schwinden, wird man achtsam. Durch Achtsamkeit entsteht leidenschaftslose Wahrnehmung, und so erkennt man die Natur der Wirklichkeit. Dies bedeutet, Nirwana zu erlangen."

"Weil sowohl das Selbst auch als Nirwana leer sind, gibt es keine zwei mehr, nicht einmal eins."

"Eine Schrift spricht davon, in der Hölle zu sein bedeute, sich in einem Vergnügungspark zu befinden."

"Die Schriften sprechen auch davon, dass Menschen sich selbst befreien, wenn sie ihren Geist verstehen. Buddhas können keine Menschen befreien."

"Arbeite! Arbeite! Ziehe alte Klamotten an, esse schlichte Nahrung und erhalte den wahren Geist der vollständigen Klarheit. Täusche Unwissenheit vor, wirke sprachlos."

"Die Besten brauchen nur einen Augenblick, andere zahllose Äonen."


Meister Chinul (1158-1210, der auch vom "Wissen, das keinen Lehrer hat" sprach und vom "Erwachen, ohne von jemand anderem abzuhängen"):

"Es heißt: 'Plötzlich erwacht, bist du wie Buddha, doch die Energie, die sich aus den Angewohnheiten deiner Leben angesammelt hat, sitzt tief. Der Wind ist still, doch es wogen noch Wellen; das Namenlose ist manifest, doch noch strömen Gedanken ein."

"Wenn du die Übung vor dem Erwachen kultivierst, dann wird selbst bei größter Anstrengung ein Zweifel nach dem anderen auf deinem Weg erscheinen, und es wird dir nicht möglich sein, das Hindernislose zu erlangen. Es wird sich anfühlen, als hättest du etwas in deiner Brust stecken, Zeichen des Unwohlseins werden gegenwärtig sein."

"Es heißt, wir sollten nicht das Auftauchen von Gedanken fürchten, sondern nur, sie nicht schnell genug zu erkennen. Wenn Gedanken auftauchen, erkennt sie sofort, denn wenn ihr euch ihrer bewusst werdet, verschwinden sie."

"Spontanes Erwachen und das Kultivieren der Übung finden nicht in der Stille statt. Hartnäckige Quietisten sind verwirrt."

"Für Übende ist das gleichzeitige Aufrechterhalten von Konzentration und Einsicht keine Frage der Anstrengung, es geschieht spontan und mühelos, ohne einen besonderen Zeitrahmen. (...) Was immer sie tun, Gehen, Stehen, Sitzen, Sichausruhen, Reden, Schweigen, Feiern, Wüten - immer und in allem sind sie dies, wie leere Boote auf den Wellen, die mit Ebbe und Flut treiben, wie ein Fluss, der durch die Berge fließt, sich in den Kurven windet und dann wieder gerade dahintreibt, ohne sich um irgendeinen Geisteszustand zu kümmern."

"Einst fragte ein König einen buddhistischen Heiligen: 'Was ist Buddhaschaft?' Der Heilige sagte: 'Die Essenz zu begreifen ist Buddhaschaft.' Der König fragte: 'Erkennst du diese Essenz?' Der Heilige antwortete: 'Ich erkenne die Essenz der Erleuchtung.' - 'Wo ist diese Essenz?' - 'Die Essenz ist in der Wirkung.' - 'Um welche Wirkung handelt es sich, wenn sie jetzt gerade gar nicht sichtbar ist?' - 'Sie wirkt gerade jetzt, nur seht Ihr sie nicht.' - 'Existiert sie auch in mir?' - 'Wann immer Ihr handelt, ist sie da. Wenn Ihr inaktiv seid, ist sie jedoch schwer zu erkennen.' - 'Wenn sie angewendet wird, an wie vielen Orten erscheint sie dann?' - 'Es müssen acht Orte sein.' - 'Bitte erklärt mir diese acht Manifestationen.' - 'Im Mutterschoß wird es Körper genannt, in der Gesellschaft Person, in den Augen Sehen, in den Ohren Hören, in der Nase Gerüche unterscheiden, in der Zunge Sprechen, in den Händen ergreifen und falten, in den Füßen Laufen und Rennen. Es manifestiert sich überall, zahllose Welten sind in einem einzigen Atom versammelt. Wer versteht, erkennt dies als Buddha-Natur, die Essenz der Erleuchtung. Wer nicht versteht, hält es für die Seele.'"

Meister Ejô (1198-1282):

"Der Wille zu erwachen ist die Ursache, großes Mitempfinden ist die Wurzel, geschickte Mittel sind das höchste."

"Dies wird offenbar in der Unangestrengtheit des einfachen Sitzens."

"So du es nicht mit deinen eigenen Augen untersuchen kannst, wirst du auch dann ein bedauernswertes Wesen sein, wenn du dir den Kopf scherst und dich in Schwarz kleidest. Selbst wenn du tausend Schriften und zehntausend Abhandlungen interpretieren kannst, 'zählst du nur die Schätze eines anderen Hauses', du bist ein 'Seefahrer, der weiß, dass da etwas Wertvolles ist, aber den Preis nicht kennt'."

"Wenn du diese mystische Botschaft annimmst, musst du keinen anderen mehr fragen, ob sie wahr oder falsch ist: Es wird so sein, als würdest du deinen eigenen Vater mitten in der Stadt treffen. Bitte nicht andere um ein Siegel der Bestätigung oder irgendeine Prophezeiung deines Erlangens."




(Mönchsprozession in Pattaya, Foto: Keller)

Mittwoch, 13. August 2014

Wie Jack Kornfield Ajahn Chah verrät

 "Nimm das Gute von dem, was dein Lehrer anbietet." (Ajahn Chah)

Über die Kommentarfunktion meines vorletzten Beitrages wurde ich gefragt, was ich vom Vipassana-Lehrer Jack Kornfield halte. Ich gebe zu, mich bisher nicht weiter mit ihm beschäftigt, aber irgendwie im Hintergrund einen sympathischen Eindruck behalten zu haben, wann immer er mir unterkam. Das hat sich nun geändert. 
   Laut seiner Website besitzt Kornfield einen Doktortitel in klinischer Psychologie, was ihm ein hinreichendes Auskommen bescheren dürfte. Er vergisst auch nicht seine Zeit beim hoch angesehenen thailändischen Waldklostermönch Ajahn Chah (1918-1992; dessen Wiki-Eintrag ist wohl von Ajahn Sumedho verfasst) zu erwähnen. Über diesen publizierte Kornfield ein Interview, das uns einen guten Einblick in Ajahn Chahs Erkenntnistiefe gibt. Obwohl er die Mönchsdisziplin und ihre zahrleichen Regeln verteidigt, weist er immer wieder darauf hin, worum es tatsächlich geht und wo unsere Erwartungen in die Irre führen: 

"Sie kommen - wie ihr - aus dem Westen und bitten, dass ich sie etwas lehre, als ob ihnen das weiterhelfen könnte ... Buddha erlangte Erleuchtung durch sich selbst, er hatte keinen Lehrer. Er tat es selbst. In dieser Hinsicht sind wir alle wie Buddha. Niemand kann diese Arbeit für uns tun. (...) Wir alle müssen uns selber erleuchten." (S. 20)

"Der Kern der Mönchsdisziplin ist die Betrachtung der eigenen Absicht, das Untersuchen des eigenen Geistes. Seid weise. Unterscheidet nicht." (S. 18)

"Du entwickelst deine Weisheit nicht, indem du andere beobachtest." (S. 13; man täusche sich also auch nicht beim Lesen dieses Blogs ...) 

"In Wirklichkeit gibt es weder atta noch anatta." (S. 15) 

"Sammlung (samatha) und Weisheit (vipassana) arbeiten Hand in Hand." (S. 10)

"Selbst Frieden muss als vergänglich angesehen werden. (...) Gib alles auf, selbst den Frieden." (S. 16)

"Hui-nengs Weisheit ist sehr tief. (...) Wenn du Nicht-Anhaften übst, wirst du sie schließlich verstehen." (S. 10)

"Wenn du weise bist, wirst du nicht an konzentrierten Geisteszuständen hängen bleiben. Es ist damit genauso wie mit dem Wunsch, lange zu sitzen. Das ist gut zur Übung. Aber in Wirklichkeit ist die Übung unabhängig von jeder Körperhaltung. Es ist eine Frage der unmittelbaren Betrachtung des Geistes. Das ist Weisheit."

Obwohl Ajahn Chah riet: "Wenn du nach den nächsten fünf Löffeln satt wärest, hör auf (zu essen)", starb er, unnötig lange, an den Folgen seiner Diabetes. Seinen Rat gegen Müdigkeit habe ich jedoch schon mit Freuden und zum Gelächter einiger Kinder befolgt: "Gehe rückwärts. Die Furcht, gegen Dinge zu stoßen, wird dich wachhalten."

Nun zurück zu Kornfield. Auf seiner Website finden sich überraschenderweise etliche kostenpflichtige Audio-Dateien zum Download, deren Inhalt sich vornehmlich an Anfänger richtet und die üblichen Themen behandelt. Und das, obwohl Kornfield allein durch den Verkauf seiner Bücher (er spricht von über einer Million Auflage) zum Millionär geworden sein müsste. Nur wenige Texte von ihm hingegen sind frei einsehbar, etwa in seinem Blog, und sie strotzen nur so von buddhistischem Friedefreude-Eierkuchen-Duktus, wie man ihn kennt. Kornfields Schreibertalent ist unverkennbar, seine Uneinsichtigkeit jedoch auch. Einmal faselt er von einer Nonne, die sich von metastasierendem Krebs durch Kräuter und einjährige Meditation "geheilt" hätte*, ein anderes Mal wirbt er für eine Burma-Reise mit "Partner Asia", die für einen neuntägigen Fahrradexkurs eine Spende von 10.000 USD erwarten und für den "bike trip" selbst 1.600 USD in Rechnung stellen, mit dem Hinweis, andere Anbieter würden dafür 5.000 USD verlangen. (Ich garantiere hiermit, dass man für weniger als 1.000 USD mehr als 9 Tage lang durch Myanmar radeln kann.) Über die geschickte Reisefinanzierung von Mönchen und buddhistischen Lehrern könnte ich noch mehr schreiben. Als ich Kornfield auf einem Foto im Profil sah, musste ich an Jerry Seinfeld denken, der wenigstens aus seiner Kohle (die er u.a. in einen antiken Fuhrpark investierte) keinen Hehl macht, trotzdem einen einfachen Donut genießen kann und sich fragt, worum es eigentlich noch geht, wenn man ausgesorgt hat. Darüber kann ich wenigstens lachen.

Ein Retreat mit Kornfield und anderen kostet ca. 100 USD am Tag - ohne Verpflegung und Unterkunft. Würde man also einen Monat mit diesen Spezies verbringen wollen, würde das einen durchschnittlichen Zweimonatslohn auffressen.Vom Waldkloster übrig bleiben ein paar Phrasen und Einsichten, die jedermann zitieren könnte, der ein bisschen rhetorisches Geschick besitzt, und für die keiner bezahlen muss, weil man vom Original hinreichend kostenlos im Netz findet.

[Nachtrag:] Ich rechne Kornfield das Eingeständnis an, dass seine kleine Umfrage unter buddhistischen Lehrern ergeben habe, 34 von 39 hätten eine intime Beziehung zu ihren Schülern bzw. Schülerinnen (Quelle: Bringing Home the Dharma). Das schützt jedoch nicht vor Naivität oder Dogmenphrasen, so wenn er Ruth Denisons Credo übernimmt, Karma bedeute, dass man "mit nichts davonkäme" (A Path with Heart). Ein solcher Irrglaube beruht auf einer traditionellen Vorstellung von Karma, nach der die Absicht einer Handlung bereits entscheidend für die nachfolgenden Wirkungen sei. Es darf dann nicht verwundern, dass Kornfield buchstabengetreu dazu rät, bei der Meditation gelegentlich zu überprüfen, ob die "7 Faktoren der Erleuchtung" vorhanden seien (Seeking the Heart of Wisdom).  Im Gilana Sutta erfahren wir freilich, was es damit auf sich haben kann - dort wird der schwerkranke Buddha plötzlich geheilt, nachdem auf seine Aufforderung hin Cundo die sieben Erwachungsglieder aufgezählt hat. Die folgenden Abschnitte unterstreichen zudem, dass mit der "Leidversiegung" im Palikanon tatsächlich auch körperliches Leiden und Krankheit gemeint waren. Abgesehen davon, dass das übliche Verständnis der einzelnen Faktoren diese untereinander inkompatibel macht: Gerichtete Konzentration kann nicht mit dem Gewahrsein aller Phänomene und dem "Hinterfragen" (dhamma vicaya) solcher Konzepte wie "heilsam" und "unheilsam" einhergehen. Wer diesen Unsinn glaubt und die Gefahr der Wortgläubigkeit nicht erkennt, dem gehört eigentlich seine Fähigkeit als Psychologe überprüft. Jeder zweifelnde Leser dieses Blogs mag die Geschichte einfach mal an einem Siechenden ausprobieren.

[*Nachtrag II: Diese Bemerkung, die ich ja gar nicht weiter kommentierte und nur durch das Verb "faseln" wertete, hat den User "Stiller Raum", der mich kürzlich hier noch selbst um meine Meinung zu Kornfield bat, im Forum Buddhaland vollends auf die Palme gebracht. Noch stärker als unten im Kommentar sieht er sie als "menschen verachtend" und "zutiefst beschämend" an. Es ist wirklich kaum zu glauben, dass ich meine Wertung noch ausdrücklich erklären muss, wo ich dem Sterben mehrerer Krebskranker in meiner Familie zusehen durfte. Hier also der Asso-Blog für Dummies: Es ist unverantwortlich von einem ausgebildeten Psychologen wie Kornfield, mit solchen Sätzen anzudeuten, man könne sich mit Kräutern und Meditation von Krebs heilen - und das hat er getan, weil er diese Anekdote (oder: den Einzelfall) nicht in einen wissenschaftlich korrekten Zusammenhang stellte, wozu u. a. auch gehört hätte zu sagen, dass man nach einjähriger Therapie durch was auch immer nicht als geheilt von Krebs gilt. Hier zeigt sich mal wieder, wie wichtig es ist, Verantwortung für andere zu übernehmen, und wie sich oberflächliche Ethik von tiefer gehender unterscheidet, die sich nicht durch Illusionerzeugen, sondern durch rationale Analyse stützt. Lesetipp: Siddharta (sic!) Mukherjee: Der König aller Krankheiten: Krebs - eine Biografie (DuMont 2012).

Noch ein Anmerkung zum nahe liegenden Vorwurf des Neides. Ich habe ja selbst schon Bestseller publiziert, ich kann das also. Joshu Sasaki meinte: "Es gibt keinen bedauernswerteren Menschen als einen Reichen oder eine schöne Frau." Wer zu blöd ist, Oberflächlichkeit von Analyse zu unterscheiden - hier: Ajahn Chah lehrt Freigebigkeit, Kornfield verlangt Geld für seine Texte (auch das, was er von Ajahn Chah kostenlos bekam) -, der hat wohl nie akademische Studien betrieben. Wer schwammig und unkonkret behauptet, wie "Stiller Raum" in einem Kommentar, auch mir könne Kornfield etwas beibringen, von mir aber nach Sichtung mehrerer seiner Werke an ganz konkreten Textstellen das Gegenteil aufgezeigt bekommt, der weiß nicht, dass hohe Wellen (Polemik) auch in der Tiefe Schlamm aufwühlen können. Genau das belegt nun der Thread im Buddhaland, dem Forum vieler Feiger (Anonymer).

Die letzte Diskussion mit "Stiller Raum" - d. h. auch meine eigenen längeren Antworten - habe ich nicht zuletzt darum gelöscht, weil sie wie bei seinem jüngstem Kommentar hier nur auf eine Personendebatte über mich hinauslief, bei der meine schlichten Entgegnungen sich am Ende wie eine widerliche Selbstbeweihräucherung lesen könnten. Darauf habe ich keinen Bock. Dies jedoch ist etwas anderes: Daizazen! Und noch mehr: Daishigyo!

Die kommenden Wochen wird tatsächlich über "kranke Menschen hergezogen und sie lächerlich gemacht". Versprochen!]